28. Folge – Billy, der Weinrebell oder „wine nerds“ unter sich, Teil 1

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Grauer Burgunder „Rutz Rebell“
Weingut Holger Koch, Baden
20-30
2010 Riesling „Mölsheim“ „Rutz Rebell“
Weingut Battenfeld-Spanier, Rheinhessen
20-30
2010 Blaufränkisch „Eisenberg“
Uwe Schiefer, Burgenland
10-20

Der Sommelier Billy Wagner aus der Berliner Weinbar Rutz ist heute zu Gast bei „Wein am Limit“. Ich kenne Billy schon eine ganze Weile, und er gehört zu den schillernden Figuren der Weinszene, die ich schätze, weil sie eine Bereicherung für die Branche sind. Genauso extravagant, wie er sich kleidet und benimmt, ist auch sein ausgefallener Geschmack. Er bricht gerne mit bestehenden Klischees und übernimmt die Rolle des Rebellen.

Vor einiger Zeit hat er seine eigene Weinserie unter dem Namen „Rutz Rebell“ ins Leben gerufen. Mit dieser möchte er seine Ideen in Zusammenarbeit mit bekannten Weinproduzenten verwirklichen. Gleichzeitig bietet er ihnen mit der Rutz Weinbar auch eine Plattform, um diese zu vermarkten und sich aus den gewohnten Zwängen des Markts heraus zu bewegen.

Billy geht es mit seiner Kollektion um Frische und „Trinkigkeit“. Zwei in der Weinwelt durch das amerikanische „Weindiktat“ von Robert Parker lange vernachlässigte Eigenschaften. Dabei geht es ihm nicht um leichte Sommerweine, sondern um Stoff, der animierende Tiefe bietet und den Gaumen nicht lähmt.

Billy formuliert es so: „Dass die ‚Rebellen‘ polarisieren und nicht jedem gefallen, ist kein peinlicher Zufall, sondern liegt in der Natur der Sache. Sie erfordern vom Genießer Neugier, Offenheit und führen ihn zu neuen, ungewohnten Geschmackserlebnissen. Ein „Rutz Rebell“ provoziert den bequemen Gaumen und stellt den alltäglichen Geschmack in Frage.“

Wir probieren einen sehr herben, festen Grauburgunder von Holger Koch vom Kaiserstuhl aus Baden. Dieser wird in großen 500-Liter-Eichenfässern gelagert und dann unfiltriert, d. h. ungeschönt, abgefüllt. Das besondere an ihm ist, dass zum gärenden Most ca. 20 % ungequetschte Trauben ohne Stiele und Stängel hinzugegeben werden. Das verleiht dem Wein eine bittere Note –Tanninstruktur –, wie wir es vom Rotwein kennen; und natürlich auch eine Menge Geschmack.

Für den extrem trockenen Riesling von Battenfeld-Spanier aus dem Rheinhessischen Wonnegau wurde ein ähnliches Verfahren angewandt. Die Rieslingstöcke stehen im Mölsheimer Zellertal auf kargem Kalkfelsen und wurden hundertprozentig gesund Mitte November gelesen. Hier haben der Most und die Traubenhäute über einen Monat gemeinsam miteinander verbracht. Ein extremer Vinifikationsstil (Maceration pelliculaire), der zur Folge hat, dass viel Aroma und Tannine aus den Traubenhäuten gelöst wird. Ein quittenartiger Duft mit Grapefruitschale und Kräutern, der die angenehme Bitterkeit im Duft erahnen lässt. Ein extrem trockener Riesling, der provoziert. Mir hat er sehr gut gefallen, weil er die ganze Kompromisslosigkeit dieser Idee rüberbringt. Kein Wein für Konsenstrinker und für mich an der unteren Grenze von 5 Soulpunkten.

Den Blaufränkisch „Eisenberg“ von Uwe Schiefer ist ein fantastischer Wein für seinen Preis. Uwe gehört zu der Generation österreichischer Winzer, die einen sehr authentischen, ungeschminkten Stil pflegen. Seine Blaufränkisch sind keine Blockbuster, sondern finessenreiche Weine, die mich etwas an Burgund oder an die Loire erinnern. Der Eisenberg ist eine der besten Lagen des dicht bewaldeten Südburgenlands, direkt an der Grenze zu Ungarn (Teile der Lage befinden sich auch in Ungarn). Der Boden besteht aus Schiefer, Quarzit und eisenhaltigem Lehm in der Talsohle.

Der Eisenberg ist ein nach süßsauren Früchten duftender Wein mit einer ganz leichten ätherischen Note. Dazu kommt der intensive Duft nach weißem Pfeffer. Er schmeckt trocken auf der Zunge, ist aber nicht rau und hat eine kühle Frische. Am besten trinkt man ihn bei 14-15 Grad. Dann zeigt er seine Fruchtnoten besser und schmeckt saftiger.

Diese Rebsorte, die in Deutschland Lemberger genannt wird, durchlebt zurzeit eine echte Renaissance, zumindest bei einigen Spitzenproduzenten in Österreich. Dieser gelungene Blaufränkisch versinnbildlicht den Spaßfaktor des feinen, neuen österreichischen Weinstils sehr trefflich.

Dann kam Tony Aguado, der „Terroirtranslator“, mit zwei Blindproben aus seiner Heimat. Doch das ist eine andere Geschichte. Dranbleiben, morgen geht es weiter!

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29 Antworten zu 28. Folge – Billy, der Weinrebell oder „wine nerds“ unter sich, Teil 1

  1. ohz schreibt:

    Was für ein Geschwätz. Bei dem würd ich im Restaurant ja nie einen Wein bestellen, Der kaut einem ja ein Ohr ab.Er vermarktet den Wein um Kohle zu machen. Punkt Aus

    • HalloWelt schreibt:

      im grunde stimmt das so – aber man könnte es anders ausdrücken… :)
      wenn man gast in der wb rutz ist werden einem die weine ja auch gleich auf der ersten seite der karte offensiv angepriesen – man bekommt schon leichte komplexe wenn man einen “normalen” wein bestellt, weil man damit quasi eingesteht nicht genügend neugier, offenheit und mut mitzubringen – also kein rebell zu sein und wer will das schon.
      dass dies marketingtechnische winkelzüge sind kennen wir ja auch von den “sonderabfüllungen” für weinhändler (“nur das beste für die pinard-edition etc… )

      dass kann und sollte man niemandem zum vorwurf machen – aber dann muss man auch mit der kirche im dorf bleiben. alle grauburgunder sind langweilig – aber genau dieser hier ist plötzlich der charakterknaller für kenner – das ist dann etwas dick aufgetragen – wird aber seine umsatzwirkung erzielen.

  2. Natalia schreibt:

    Ich finde den “Eisenberg” von Schiefer fantastisch! Dieser Wein war mein Blaufränkisch-Wow-Erlebnis und hat meinen Blick etwas weg vom vielgelobten Nord-und Mittelburgenland in Richtung Süden gelenkt. Würzig, frisch, trinkanimierend, tolles Preis/Leistungsverhältnis – supergut!

  3. budi's foodblog schreibt:

    Julien owned ;-)

  4. weinsegler schreibt:

    Kann Natalia nur beipflichten. Ist ein ganz feiner Tropfen der mittlerweile zu meinen Lieblings-BF gehört und bei ohz frage ich mich warum er sich 20 Minuten Video antut wenn eh alles nur Verkaufsmasche ist. Übrigens ist auch der Grauburgunder von Koch ganz fein, den Riesling kenne ich (noch) nicht.

  5. Peter schreibt:

    Teresa Orlowski … Das war ein cooles Outing, Hendrik … ;-)
    Ansonsten möchte ich allen, die mal wieder einen richtig guten Grauburgunder trinken möchten, den vom Weingut Keller (Flörsheim-Dalsheim), und auch den vom Weingut Zelt (Laumersheim) empfehlen. Sind beide äußerst gelungene Exemplare. :-)

  6. Wine Nerd schreibt:

    Hallo zusammen,

    ich finde das Video etwas zu lange. Was mich aber wirklich stört, ist die für mein Verständnis etwas zu pauschalisierende Pinot Grigio Kritik (mit Bezug auf Italien). Hatte gerade letztes WE einen wirklich tollen Pinor Grigio “Porer” 2010 von Lageder aus Südtirol. Wenn es sein muss kann ich auch eine lange Liste von schlechtem Riesling aus Deutschland schreiben und es wird dennoch guter Riesling in Deutschland gemacht…

    Ich war (noch) nicht in der besagten Weinbar in Berlin und kennen den Gast der Sendung daher nicht aus seinem Berufsaltag, aber ich denke man sollte niemandem einen Vorwurf daraus machen, dass er in einer Sendung als eingeladener Gast redet und daraus ableiten, dass man im Restaurant “zugetextet” wird.

    Grüße!
    Wine Nerd.

    • hendrikthoma schreibt:

      Moin Mr. Nerd, ich denke es ging hier eher um das Herr der gesichts- und geschmacklosen Pinot Grigio aus dem Veneto. Fakt ist generell, daß sich aus dem PG in vielen Fällen mehr machen lässt.

  7. enjoy schreibt:

    Knaller! Ich freu mich schon auf morgen:)

  8. DerDoc schreibt:

    Puh, ich kann ihm nicht zuhören – er befreit die Winzer aus seinem Gefängnis? Battenfeld-Spanier können so was sonst nicht machen? Tut mir leid, aber da wird etwas verknappt und für viel Geld rausgehauen, es kommt ein bißchen so rüber… Ich höre Aktivsauerstoff und linksdrehende Joghurtkulturen… Aber der Schal ist stylisch ;) Gott sei dank will er dass man Weine trinkt! Das ist soooo innovativ…

  9. Gilli Vanilli schreibt:

    Da ist mal wieder ein sehr interessanter Gast da und hier wird er verurteilt er redet zu viel tstststs

    Ich Finds ein sehr cooles Video – den Riesling haben wir letztes Jahr auch probiert
    Zusammen mit einer scheurebe von wittmann glaube ich und einem Rose von domaine l’horizon

    Die beiden waren sehr geil leider gibt’s de wohl nicht mehr

    Ps: cool das Tony auch mal am Start ist

    • Praterralle schreibt:

      Habe grad vorhin die Scheurebe von Wittmann 2011 probiert und war scho a bisserl enttäuscht.

      • Praterralle schreibt:

        muß mich korrigieren. Habe die Scheurebe dekantiert und a bisserl atmen lassen. Super und ganz anders als typische moderne Scheureben. Empfehlung

      • Gilli Vanilli schreibt:

        Das war damals auch ein Rutz Rebell Wein in der Magnum
        Und leicht im Holz ausgebaut – war Super

  10. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    also alle Grauburgunder niedermachen, wie es Dein Gast getan hat, finde ich schon grenzwertig.Habe letztens verschiedene Grauburgunder von Salwey und Dr. Heger aus Baden getrunken und fand diese erstlassig. Pauschalisierungen erinnern mich immer an diese Müller-Thurgau-Kritiker. Ein echter Rebell und Winzer aus Franken, nämlich Christian Stahl aus Auernhofen, hat diesen mit seinem Tauberzeller Hasennestle die richtige Antwort erteilt. Absolut phantastischer Stoff. Es sind immer noch der Winzer und das Terroir und nicht eine fixe Marketingidee entscheidend. Diese Angewohnheit immer Editionen, Namenszüge und Produktlinien zu entwerfen finde ich eigentlich ziemlich nervtötend. Berlin kann vielleicht doch nicht immer die Weinwelt erklären. Weingut Schiefer ( gibts im Moment auch beim BILLA in Sonderedition)ist ganz ok würde ich jetzt aber nicht auf ein Podest stellen. Probierts einmal
    Rosi Schuster, Prieler, Wenniger, Nittnaus oder Umathum etc. Außerdem finde ich in Österreich die Region Carnuntum momentan viel revolutionärer. Junge Winzer, die sich was trauen und erstklassigen Zweigelt und auch Spätburgunder machen. Ebenso die Thermenregion.
    Und man sollte auch nicht vergessen, dass Winzer wie Franz Keller aus Baden mit dem Ruländer eigentlich die Renaissence des deutschen Weins eingeleitet haben. Gerne kann ich bei Bedarf hervorragende Grauburgunder aus den meisten deutschen Weinbauregionen nennen und eine Empfehlung von Dir, den Deep Roots aus Rheinhessen trinke ich immer noch sehr gern. Es gibt ferner auch ausgezeichnete Pinot Grigios aus Italien ( Jermann, Feluga etc.) und die einfachen Weine aus Venetien, sofern sie sauber gemacht sind, passen phantastisch zu der regionalen Küche.
    Und international ist einfach Riesling ein Synonym für deutschen Wein. Kann man nix machen. Trinkigkeit ist übrigens ein lustiger Begriff. Bei einem guten Wein hab ich automatisch Lust auf ein zweites, drittes… Glas. Bei schlechtem net. Trinkigkeit wird auch oft von der besseren Hälfte bestimmt. Nix für unguat.

  11. Nico Medenbach schreibt:

    Ich hatte schon den Spaß Billy’s Qualitäten im Rutz zu erleben. Ebenso kenne ich den vorgestellten Grauburgunder, Riesling und Blaufränkisch. Für mich macht das “Gelaber” dadurch absolut Sinn und ich kann den Ansatz von Billy und Hendrik nur unterschreiben. Hier versucht jemand neue Impulse in die teilweise eingeschlafene Deutsche Weinwelt zu bringen und bekommt hier von tiefst bestürzten Zuschauern einen auf den Kopf. Das erinnert an die Kritik seiner Zeit an Gary Vaynerchuk – wo einfach obeflächlich kritisiert wird. Billy geht einen anderen, aber konsequenten Weg. Keiner muss ihm folgen, sollte eber zumindest Ehrfahrung damit sammeln bevor man hier kritisiert.

    • Praterralle schreibt:

      Also eingeschlafen finde ich die deutsche Weinwelt ja nicht grad. Ich kenne wenige Länder in denen in den letzten 20 Jahren eine solche Weinrevolution stattgefunden hat. Natürlich muß es Innovation im Weinbau geben, deshalb sind traditionell gemachte Spitzenprodukte aber nicht zu vergessen. Grand Crus aus der Bourgogne schüttet man ja auch nicht weg. Ich habe auch nicht die Weine kritisiert ( vom Blaufränkisch abgesehen, den ich probiert habe), sondern gewisse Aussagen und Marketingstrategien, die man meiner Meinung nach kommentieren muß. Außerdem denke ich, dass die meisten Leute hier sehr eifrig Erfahrungen gesammelt haben und weiter sammeln werden.

  12. August Poth schreibt:

    Ich finde es sehr interessant zwei Experten zuzuhören.Ich denke das Hauptproblem ist, wenn sich jemand sehr intensiv mit dem Thema Wein beschäftigt wird es immer schwieriger dem “normalo” zu verstehen.
    Ich merke dies selbst an mir, obwohl ich mich lange nicht so gut auskenne wie z.b. die beiden.
    Zur Weinbar Rutz: Es ist meiner Meinung nach sehr Gefährlich den Ausdruck “Rebell” zu verwenden. Ich war gerade zu Gast (Billy hatte wohl frei) und die Weinberatung war einfach nur schlecht bzw. Beratung konnte man es gar nicht nennen. Meiner Meinung nach ist es das wichtigste für einen Sommelier auf dem Boden zu bleiben und eben den “Nerd” nicht raushängen zulassen.

  13. Marco Rosso schreibt:

    Toller Gast und gutes Thema ! Aber die Kritik die hier abgelassen wird ist Stammtischgeschwätz von Leuten,die ihr Schubladendenken nicht aufgeben wollen od. können.

  14. Billy Wagner schreibt:

    Hi there,

    Entschuldigt, dass ich so lange mit einer Antwort gewartet habe. Durch viel Arbeit komme ich erst heute dazu ein paar Gedanken nieder zu schreiben.

    Ich muss mich für die Gedanken, dir ihr euch gemacht habt, bedanken, für die Mühe ein paar Zeilen zu schreiben ebenfalls. .

    Ich hoffe auf alles korrekt eingehen zu können.

    1. Ja, wir möchten mit der Serie Rutz Rebell Geld zu verdienen. Das ist nicht verwerflich, sondern nur logisch. Wir betreiben ein Restaurant, eine Weinbar und einen kleinen Handel. Wir beschäftigen 15 Mitarbeiter und alle müssen sich ein Leben finanzieren. Ich kann mit Stolz sagen, dass jeder Einzelne sein Bestes gibt. Für jeden ist es mehr als nur ein 08/15 Job. Uns macht unsere Arbeit Spaß.
    2. Wir, der Winzer und ich, stecken über 1 ½ – 2 Jahre viel Arbeit in eine Idee. Allerdings wollten wir nicht nur eine Sonderfüllung oder ein Wein mit einem eigenen Etikett verkaufen, sondern wollen unseren Gäste eine bestimmte Idee mit auf den Weg geben. Ob das bedeutet, dass man auch einen europäischen Tafelwein trinken kann, oder das man bestimmte andere Vinifikation wählt, oder einfach nur einen Sekt ohne Dosage füllt, steht für mich nicht im Fokus. Jeder Wein muss eine Message haben. Jeder Wein ist anders und soll ein eigenes Thema abdecken. Manche Themen sind für Laien, manche andere wiederum für Profis.
    3. Ja, wir müssen und wollen die Weine verkaufen. Der Zeitraum ist bewusst später gewählt. 2010 ist gerade auf den Markt gekommen. Alle Rutz Rebellen sind immer ein Jahr hinten dran. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass man nichts anderes im Rutz mehr trinken kann, ist nicht beabsichtigt. Wir möchten aber diese Idee so vielen Gästen wie möglich zeigen. Das ist legitim. Auf Seite 6, 7 und 8 der Weinkarte findet man die offnen Weine. Momentan bieten wir neben den sieben Rutz Rebellen noch ca. 25 andere Weine im Glas an. Hier decken wir die ganze Palette von Schaumwein, Weiß, Rot, Süß und Südwein ab. Einzig einen Rose gibt es nicht. Weiterhin hat jeder Gast die Möglichkeit aus ca. 750 weiteren Positionen den richtigen Wein für sich auszuwählen. Das wir dabei bestmöglich unterstützen versteht sich von selbst.
    4. Leider leidet der Grauburgunder unter gähnender Langeweile. Aus Deutschland habe ich noch nie – und das meine ich auch so – einen für mich spannenden grauen Burgunder getrunken, aber aus dem Elsaß und dem Collio schon. Für mich hat das mehrere Gründe. Entweder sind die Weine im Stahltank ausgebaut und mit Reinzuchthefe vergoren und zu schnell im Anschluss daran abgefüllt, und besitzen dann diese Eisbonbonaromatik oder Sie haben 14,5 Alkohol eine zu hohe Reife, niedrige Säure, niedrige PH Werte und viel zu viel Holzeinsatz. Das beeinflusst die Reifemöglichkeit enorm. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Grauburgunder unfiltriert vom Weingut Holger Koch anders ist. Bitte probieren. Durch die 100 KG Trauben (ohne Kämme) hat der Grauburgunder eine warme, fast süße Bitterkeit bekommen. Holz ist nicht spürbar und der Alkohol schlägt ebenfalls nur mit 12,5 Prozent zu Tage.
    5. Aus dem Gefängnis holen ist sicher zu viel gesagt, um aber beim Beispiel Grauburgunder zu bleiben, möchte ich folgendes anfügen. Holger Koch hat in 2011 und er wird in 2012 wieder mit den Phenolen aus dem Schalen spielen. Die Technik, die wir für den Rutz Rebellen „ausprobiert“ haben, wird wieder bei ihm Verwendung finden. Philipp Wittmann meinte am vergangenen Sonntag zu mir, es ist der beste Sylvaner, den er in 11 Jahrgängen gemacht. Wir dürfen gespannt sein, was er daraus macht.
    6. Der Schal ist nicht es nicht.??? Aber die Farbe schon. Zara lässt grüßen ;-)))
    7. Viel Geld ist relativ. Wir haben wie jeder andere Weinhändler eine Spanne an den Weinen, die wir Außerhaus verkaufen. Trinkt man Sie dann im Restaurant kommen noch 18,00 Euro „Korkgeld“ dazu.
    8. Die deutsche Weinszene ist sicher nicht eingeschlafen, aber was nicht von der Hand zu weisen ist, viele Weine sind zu sicher. „Ein Winzer aus dem Süden Frankreichs sagte vor einiger Zeit zu mir: „To much Geisenheim“. Man traut dem Verbraucher keine individuellen Weine zu. Die Weine sind sauber gemacht. Sie schmecken, sind klar und gefallen. Das war vor 30 Jahren noch ganz anders. Somit ist in den letzten Jahren viel Gutes passiert und es passiert immer noch sehr viel. Im ersten Schritt ist das auch richtig. Aber man muss sich weiter entwickeln. Es gibt soviel neue Weingüter, die alle sauberen fruchtbetonten Wein machen. Das ist langweilig. Die Weinmacher sind gut ausgebildet. Sie haben in Geisenheim studiert, waren in Neuseeland und Südafrika auf Praktika und wissen wie sie einen Wein machen müssen, der schmeckt. Das ist aber in den seltensten Fällen ein Wein, der groß ist. Die Großen Weine dieser Welt sind auf jeden Fall nicht perfekt gemacht, sondern haben auch bestimmte Fehler. Coche Dury, JJPrüm, Tondonia, Gauby, COS, ganz vorne dran. Man darf sich schon wundern was alles so im europäischen Ausland passiert. Dort passiert viel mehr. Es werden auch Fehler gemacht. Bzw. ungenießbare oder einfach nur schlechte Weine produziert, aber aus der Vielzahl von unterschiedlichen „neuen/alten“ Ideen entsteht neues was wiederum fasziniert. Somit öffnet sich langsam der Weingeschmack und im Endeffekt findet man mehr Geschmack im „wahren“ Wein“. Das ist ein Weg, aber es kann ein schöner sein. Ein Ziel gibt es hierbei nicht. Veränderung wird es immer wieder geben.

    9. Was war schlecht an der Weinberatung und wieso kann man es nicht Beratung nennen? Wenn du das so empfunden hast, dann war das so, aber ich möchte verstehen, wo ran wir arbeiten müssen.

    10. Ich habe eine Meinung! Einige meiner Kollegen haben das nicht, aber Sie selbst scheint das auch nicht zustören. Meine Meinung verändert sich tagtäglich. Ich versuche den Gästen im Restaurant etwas mitzugeben, weil ich will möchte, dass Sie besseren Wein aber gerade auch besseres Bier trinken. Aus Grauburgunder muss man mehr machen können. Wir haben mit unserem nur den Anfang gemacht. Da geht noch viel mehr. Die Weinszene verändert sich gerade in diesem Moment enorm. Ob das alles richtig ist, wird die Zukunft zeigen, aber Veränderung kann auch Fortschritt für mehr Wein im Glas bedeuten und das ist gut.

    Auf euer Wohl!
    Billy

    • Werner schreibt:

      gefällt mir gut dass sich Hendriks Gast einige Zeit später so ausführlich die Zeit nimmt und auf die vorhandenen Kommentare reagiert/antwortet und seine Meinung sagt, würde mich freuen wenn das hier öfter passieren würde – auf dein Wohl Billy!

  15. Robin Dutta schreibt:

    Guten Tag allerseits,

    eine spannende Diskussion. Billys Ausführungen habe ich kaum etwas hinzuzufügen, er hat seine Sicht der Dinge hinreichend dargelegt. Nur so viel: redet der Sommelier nicht/wenig, fragt sich der Gast nach dessen Daseinsberechtigung oder hält ihn für desinteressiert bis borniert. Warum ist er bekannt/gut/wird so häufig erwähnt? Im schlimmsten Fall verteuert er die Weine durch sein Gehalt. Redet er zuviel, ist er aufdringlich/egomanisch veranlagt. Hält er Mass und positioniert sich in der Mitte, ist er einer unter vielen und der Gast ist erneut enttäuscht, da er kein Weinerlebnis hat.

    Wichtiger Punkt: Vielen Weinen fehlt die Seele. Viele Konsumenten machen sich nicht auf die Suche danach. Es interessiert sie nicht. Nicht weiter schlimm. Leute, die das Erlebnis dieser Sinnsuche schätzen und für andere aufbereiten und kommunizieren, brauchen wir. Nur so bleibt Weinkultur organisch und lebendig, ohne sich auf miefigen Traditionen auszuruhen und sich nur an Etikettentrinkern zu orientieren. Besser, sich ab und zu mal zu verrennen,als immer stehenzubleiben.

    Siehe dazu auch die Vin Naturel Diskussion.

    Beste Grüße,

    Robin Dutta (Maat Dutta, captaincork.com)

    (der sich heute abends einen Borgueil aufmacht…)

    @Hendrik: schönes Format!

  16. Marco Rosso schreibt:

    Billys Antworten ist nichts hinzu zu fügen. Chapeau !

  17. August Poth schreibt:

    Hallo Billy, ich finde es ganz toll, dass du uns allen so ausführlich geantwortet hast. Im nachhinein war es wohl falsch eine Kritik über das Restaurant in diesem Blog zu schreiben, wenn dann hätte ich es dir persönlich schreiben müssen oder mich vor Ort beschweren müssen, was aber nicht meine Art ist.
    Es ist einfach so, dass man natürlich gerade als Mensch der sich auch beruflich mit dem Thema Wein beschäftigt,sich auf einen schönen Abend freut und eben auch relativ hohe Erwartungen hat. Ich möchte hier nicht auf die Details eingehen, ich denke das interessiert die anderen auch nicht.
    Falls die Details dich interessieren erläutere ich diese gerne.

  18. Andre Dreyer schreibt:

    Ich bin passionierter Weinliebhaber mit einem ausgeprägten Drang, mein Wissen zu vertiefen. Mich interessiert auch, wer warum wie welchen Wein macht, aber am Ende der Reise sollte für mich der Wein gut schmecken und in die Gesamtsituation passen (Essen, Stimmung) und dabei, auch preislich “stimmen”. Ich habe schon Weine für 50€ genossen (Einzelhandelspreis) und war begeistert. Ich konnte mich aber auch schon für Weine begeistern, die unter 10 Euro kosten (Folge 39). Preis-Leistungs oder besser Preis-Geschmacks-Verhältnis ist von Bedeutung für mich und sicher auch für viele andere Weinfreunde. Nun zu den Weinen dieser Folge. Kürzlich haben wir mit Freunden einen Wein am Limit-Abend gemacht (vier Freunde und fünf Weine aus WaL) und auch die beiden Rutz Rebell Weine (Grauer Burgunder und Riesling) dieser Folge verkostet. Nun ja… Interessant, bekömmlich, lecker(?, hier gab es geteilte Meinungen) aber nicht die/der “Gewinner des Abends”. Vielleicht bin ich auch nicht “trainiert” genug, um die Nuancen zu schmecken, die Hendrik und Billy Wagner kosten können. Mein Fazit zu diesen Weinen lautet jedoch: Wenn ich diese Weine ins Rennen geschickt hätte (Meine waren die Folgen 9, 26 und 39), dann hätte ich mich geärgert, weil sie beim für mich wichtigen Preis-Geschmacks-Verhältnis schlecht abschneiden, sie für mich schlicht zu teuer sind. Über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht oder vortrefflich streiten und insofern gibt es sicher Weinfreunde, die diese Weine anders einschätzen. Und das ist gut so. Und noch etwas: Es gibt auch gute und meines Erachtens nach sogar SEHR gute Burgunder aus Deutschland. Ein Beispiel: Weingut Knab der Eheleute Rinker aus Endingen/Baden. 2011 Kabinett Endinger Engelsberg Grauer Burgunder für 7,10€ ab Winzer.

    • Billy Wagner schreibt:

      Tolle Idee ein Wein am Limit Abend. Bevor ich darauf antwortet, würde mich noch interessieren, was gab es noch und was war am schnellsten leer. Beste Grüße nach Hamburg, Ihr Billy Wagner

  19. Thomas K. schreibt:

    Lieber Billy!,
    Wir sind die Freunde von André die den gemeinsamen WaL Abend u.a. mit den beiden Rutz Rebel Weinen bestritten haben. Zuerst einmal muss ich hier in aller Öffentlichkeit eines loswerden. Ich hatte es lange verpennt mich zu kümmern und extrem spät bei Euch in Berlin angerufen. Innerhalb von Minuten hatte ich nicht nur Dich persönlich am Telefon, sondern auch einige tolle Tipps und ein fertig geschnürtes Paket, das am nächsten Tag bei mir war. Unabhängig vom Wein war der Soulfaktor der Aktion 622 Gläser! Danke!!!
    Zu den Weinen: Ich habe sie angerichtet, wie von Dir empfohlen. Ich konnte auch dem Motto “Trinkigkeit durch Bitterheit” folgen und finde das Konzept gut. Es mag aber an meinen beschränkten Fähigkeiten, Der Zusammenstellung der Weine an dem Abend oder der doch sehr euphorischen Ankündigung geschuldet sein, aber die im Video ausgerufene Revolution und Befreiung wollte sich bei uns nicht einstellen. Die bittere Note, die Frische, das war alles da, aber der Zwang gleich nachzukippen war höchstens dadurch bestärkt, dass man im Abgang auf irgendetwas wartete, was sich dann nicht einstellte. Der L´echalier aus dem Blog 26 Naturweine war der am Ende am schnellsten verkostete Wein, wobei wir natürlich die Weine nicht austrinken. Wir wollen uns an das Ergebnis ja noch erinnern können.
    Ich werde aber den beiden Weinen im kommenden Sommer noch einmal eine zweite Chance geben, dann aber nicht in der Konstellation.

    Wenn wir in Berlin sind werden wir aber in jedem Fall vorbeischauen soviel sei jetzt schon angedroht! ;-)
    Danke nochmal

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