30. Folge – Das kleine Jubiläumsgeschenk

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Muscadet la Griffe „Sèvre et Maine“ sur lie
Bernard Chéreau Carré, Loire
bis 10

Die Rebsorte Muscadet wächst rund um die Stadt Nantes an der Loire. Hier mündet Frankreichs zweitgrößter Fluss in den Atlantik. Das Klima ist recht rau und maritim geprägt.

Es gibt verschiedene Subzonen für den Muscadet oder, wie er auch genannt wird: Melon de Bourgogne, was seine Herkunft aus Burgund dokumentiert. Der Muscadet ist verwandt mit dem Chardonnay und ist aromatisch recht neutral und genügsam. Ein wenig erinnert er aufgrund seiner kernigen und cremigen Art an Silvaner.

Unter Kennern gilt die südöstlich von Nantes gelegene Zone „Sèvre et Maine“ als die Beste. Unter dem sandigen Oberboden befinden sich Urgesteine wie Gneis, Granit, aber auch Schiefer. Wenn der Wein „sur lie“ ausgebaut wurde, heißt das nichts anderes als „auf der Hefe gelagert“. Dies wird gemacht, um dem Wein mehr Schmelz und Stabilität zu verleihen. D. h. der Wein wird vergoren, und man belässt ihn bis zum Abstich auf der Hefe, welche sich nach Vergärung im Tank oder Fass abgesetzt hat. Gelegentlich wird dieser Hefesatz während der Lagerung aufgerührt. Diesen Vorgang nennt man „Batonnage“ und verleiht dem Wein einen volleren und geschmeidigeren Körper.

Dann wird er im Frühjahr, vorzugsweise unfiltriert, abgefüllt, denn der Satz bleibt unten im Tank und hat sich von alleine geklärt. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die im Wein während der Gärung entstandene Kohlensäure erhalten bleibt.

Die Begegnung mit einem Muscadet kann ein grausames Erlebnis sein. Vor allem, wenn der Wein eine dünne, saure Plörre ist (was leider häufig der Fall ist). Dann reicht es zwar noch für einen tollen Urlaubswein, der einen melancholisch an die französische Atlantikküste treibt. Mehr aber auch nicht. Genau diese Weine haben das Image des Muscadets zerstört. Der Muscadet hat seine beste Zeit wohl in den 80ern gehabt. Dass er nicht komplett weggeschlafen ist, liegt an ein paar Dutzend Erzeugern, die weiterhin mit Stolz und Passion die Tradition eines der leichtfüßigsten Weine neben Moselriesling und Vinho Verde pflegen.

Zwar ist auch ein guter Muscadet niemals ein komplexer Wein, aber dennoch ein authentisches Weinerlebnis. Er bietet eine Menge „Soul“. Mineralisch, herb, wenig aromatisch, ein Spritzer Kohlensäure und knochentrocken. Über allem weht der jodig-salzige Hauch des Meeres.

Das sind die Weine, die so wunderbar in die Philosophie von Wein am Limit passen. Mehr Spaß im Glas!

Über hendrikthoma

Master Sommelier und Gastgeber bei Wein am Limit
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18 Antworten zu 30. Folge – Das kleine Jubiläumsgeschenk

  1. Korkator schreibt:

    Klasse.
    Genau für diese Weine und Themen mag ich “WaL”.
    Habe witzigerweise erst letzte Woche einen Muscadet vom Guy Bossard (L´Ecu) zum Fisch serviert – nachdem die Gäste erstmal reflexartig und panisch einen Muskateller fürchteten konnte der Wein dann doch alle überzeugen…

  2. Werner schreibt:

    Da hast du mir wieder mal eine Probier-Idee geliefert Hendrik. Muscadet hatte ich erst einmal und der war überhaupt nix. Seitdem habe ich keinen mehr probiert.

    Auf jeden Fall gebe ich dir zu 100 % Recht mit dem Kunststoffkork, das geht überhaupt nicht. Einer meiner Lieblingserzeuger in Südtirol hat das auch mal ein Jahr probiert bei seinem Einstiegs-Weisswein und er sagt auch “einmal und nie wieder”. Schraubverschluss, klassischer Korkverschluss oder auch die Glasstopfen die in Franken in den letzten Jahren bei den Bocksbeuteln immer öfter auftauchen – alles OK, aber bitte nicht diese Plastikdinger. Die sind dort angebracht wo der deutsche Weindurchschnittspreis verlangt wird, bei den 2,50 € Weinen – wer’s braucht!

  3. Praterralle schreibt:

    Gefällt mir echt gut die Sendung. Muscadet hab´ich viel in Frankreich getrunken. Einfach, sauber,unkompliziert und hat gut zum Essen in der Bretagne gepasst. Das mit dem Kunststoffkorken finde ich auch unmöglich. Hab´ich erst letztens bei einem sonst echt guten Erzeuger aus Saale-Unstrut gesehen. Ist schade die trockenen Spätlesen jetzt jung trinken zu müssen.

    • Gobenn71 schreibt:

      Meinst du Pawis?
      Die trockenen 2011′er Spätlesen sind allerdings wirklich nett…

      • Praterralle schreibt:

        Stimmt. Sowohl Weiß-u. Grauburgunder, wie auch Riesling sind in diesem Jahr echt klasse. Aber halt dieser merkwürdige Veschluß.

  4. Mathias R. schreibt:

    Wiedermal eine Top Sendung, was jetzt vielleicht alles noch etwas besser machen würde ist im Text zur Sendung ein, zwei vermerke machen wo man an die ganzen Tropfen kommt. Vielleicht sogar für die Österreichischen& Schweizer Zuschauer.

    • hendrikthoma schreibt:

      Hallo Mathias, genau das möchte ich aus Gründen der Unabhängigkeit nicht. Ich hoffe, Du verstehst das. Aber es gibt ja die Suchmaschinen. Da werden Sie geholfen!

  5. Gilli Vanilli schreibt:

    schön kurz und knapp zwischendurch das hat mir gefallen auch wenn Muscadet nicht meins ist

    Solche Korken schon gar nicht

  6. Karl Gilles schreibt:

    Bonsoir Monsieur Thoma !! Werner hat Recht !..das mit dem Kork ..jedoch habe ich in Fr. schon öfters Muscadets probiert die im zweitem Jahr deutlich in der Qualität (Geschmack)
    abfallen.(natürlich gibt es Ausnahmen ,wobei wir mal wieder die 10 Euros überschreiten.) Why not? Trés bon video (von einem der besten Sommeliers der Welt !) Karl Gilles

  7. Wolfgang G schreibt:

    Hallo,
    Hatte erst gestern einen Muscadet, den “Clos des Briords VV” 2009 von Marc Olivier (um 9€ gekauft). 2009 war ja ein eher untypischer Jahrgang mit sehr hoher Reife. Ideal jetzt im Sommer weil sehr erfrischend und im Vergleich zu unseren österr Weißweinen auch sehr leicht. Mich erinnert Muscadet immer als würde man an einem mit Zitronensaft benetzten Stein lecken.
    Aufgrund seines eher neutralen Aromas und als guter Begleiter zu Fisch vergleiche ich Muscadet immer wieder gerne mit einem Žlahtina, obwohl der aus einer ganz anderen geografischen Ecke kommt.
    LG
    und weiter so
    Wolfgang

  8. Marco Rosso schreibt:

    Dein Motto,Spaß im Glas,kann ich nur teilen ! :-)) Wein am Limit macht echt Spaß,ich hoffe es kommen noch viele tolle Gäste und Weine. ;-)

  9. Pinot schreibt:

    Wiedereinmal eine schöne Folge, aber ernsthaft: mit nur einem einzigen Probeschluck den Wein probieren?

    • hendrikthoma schreibt:

      Es ist wie im Leben: der erste Eindruck zählt und da verlasse ich mich meinen guten Riecher! Für eine richtig tiefgehende Bewertung geht nur die Flasche. Bin d’accord!

  10. Praterralle schreibt:

    Es gibt vor und hinter der Kamera.

  11. Gobenn71 schreibt:

    @Praterralle : Ich hatte nur den Weissburgunder und den Riesling (sowie den Silvaner ..), aber die fand ich auch wirklich klasse.
    Generell finde ich diese Kunststoff-Verschlüsse auch unschön, wobei mir nicht klar war, dass die Weine damit schlechter altern als mit einem Schrauber.
    Die 2011′er Pawis-Weine waren bzw. sind allerdings alle schon jetzt so lecker, die werden ohnehin nicht alt ;-)..

    OT @Hendrik : Die Weine aus den ‘neuen Bundesländern’ wären vielleicht auch noch mal ein Thema für eine Sendung. Es ist aufgrund der hohen regionalen Nachfrage und somit entsprechenden Preisen zwar sehr schwer, in Sachsen oder Saale-Unstrut echte Schnäppchen zu machen, aber einzelne Winzer wie z.B. Pawis, Gussek oder auch Zimmerling haben da doch einiges zu bieten.

  12. Peter schreibt:

    Kann Hendrik wieder mal nur Recht geben, was Synthetik-Korken angeht, und wundere mich immer wieder, daß selbst Top-Winzer diese verwenden. Entweder Naturkork, Schraubverschluß oder Glasstopfen. Alles andere ist önologischer Unsinn.

  13. malan schreibt:

    wieder mal ne sehr gute ausgabe, die spass am wein vermittelt !

  14. Stefan schreibt:

    Durch die schöne Sendung kommt man mal wieder auf andere Weingedanken und verlässt die Pfade eigener Trinkgewohnheiten.

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