35. Folge – Kommt unter den griechischen Weinrettungsschirm

Wein Soul-Faktor Euronen
Retsina
Domaine Papagiannakos, Attika
bis 10
2011 Asirtiko Athiri
Domaine Sigalas, Santorin
bis 10
2008 Ramnista
Kir-Yianni, Naoussa
10-20

Die Schlagzeilen, die wir zurzeit aus Griechenland hören, könnten wirklich besser sein. Für uns alle. Viele haben es gewusst, keiner will es am Ende gewesen sein. Die Zeche zahlt am Ende der Steuerzahler. Was geht hier eigentlich ab?

Dabei gibt es in diesem wirtschaftlich angeschlagenen Land eine spannende, florierende Weinbranche. Doch der Grieche an sich interessiert sich selbst nur wenig für seine wirklich guten Weine. Vieles geht in den Export. Ein weiterer Fall von Ignoranz, den die Deutschen mit ihren eigenen Weinen auch erst überwinden mussten.

Denn obwohl die Weinbaugeschichte in Griechenland ihren europäischen Ursprung hat, war das Land genau unter dieser auch lange begraben.

Wirklich erste qualitative Änderungen fanden erst vor 30 Jahren statt. Château Carras auf der Halbinsel Chalkidiki war einer der ersten berühmten Weine, die es fast zum ersten griechischen Iconwein geschafft hätten. Doch dieser Traum ist vorerst begraben. Die Gründe für das Scheitern sind wahrscheinlich menschlicher Natur. Heute gibt es mindestens 2 handvoll Top-Produzenten die diesen Anspruch rechtfertigen würden, aber kaum jemand kennt sie. Griechenland ist eben nicht Bordeaux oder das Napa Valley.

In dieser Folge habe ich euch ein paar interessante, spannende Weine vorzustellen. Der Retsina, der berüchtigte „geharzte“ Wein, löst bei vielen Weintrinkern Panikgefühle aus. Grund dafür ist der weit verbreitete Fusel, der in den Regalen der Supermärkte und Discounter auf den Kunden lauert. Doch eigentlich kann dieser aufgepimpte Wein des Altertums sehr ansprechend, sogar lecker sein. Wichtig ist ein guter sauberer Grundwein aus den Rebsorten Savatiano und Rhoditis, die besonders im Athener Raum wachsen. Am allerwichtigsten sind aber ein guter Harz und vor allem eine vernünftige Dosierung. Dann schmeckt dieser leichte Stoff sehr gut zur der geschmackvollen Küche Griechenlands. Der Retsina von Papangiannakos ist einer der besten Retsina die ich kenne. Sehr würzig, leicht, aber auch ansprechend „geharzt“ mit Pinienharz aus Attika.

Ein kleiner Geheimtipp sind die Weine von der Vulkaninsel Santorin. Hier wächst die mystische Assyrtikorebe auf sehr alten Rebstöcken. Sie wird vor den heißen und kalten (und auch staubigen) Winden geschützt durch Bastkörbe. Die Assyrtiko wächst in Bodennähe und kann ausschließlich manuell und sehr aufwändig bewirtschaftet werden. Paris Sigalas ist der Meister dieser haltbaren wertvollen Rebsorte, die hier mit der neutraleren Athiri Traube verschnitten wurde.

Limonenfruchtig, grüne Äpfel, herb, spritzig und mineralisch. Ein köstlicher mediterraner Sommerwein, der so manchem Italiener oder Spanier die Show stiehlt. Mittlerweile findet sich die geschätzte Assyrtikotraube in vielen Teilen Griechenlands auch als Cuvéepartner wieder. Sie gilt als das beste Pferd im Stall, und auf Santorin wächst sie auch reinsortig.

Die Übersetzung für die rote Rebsorte „Xynamavro“ heißt so viel wie „schwarzer Saurer“. Ein dickschalige Traube, aus der langlebige Weine erzeugt werden. Besonders in Naoussa, einer der ältesten und renommiertesten Gegenden Nordgriechenlands, erreicht sie ein ganz eigenes Aromaprofil.

An den Hängen des Mount Vermon liegt das Weingut Kir-Yanni. Für mich ist das einer des besten und zuverlässigsten Produzenten des Gebiets. Der Ramnista ist ein Klassiker mit dem würzigen Aroma von getrockneten Tomaten und Zwetschgen. Der Geschmack ist tief, kraftvoll und mit massiven Gerbstoffen (Tanninen) ausgestattet. Ein Wein, der nach zehn Jahren Reife so manchen Barolo vom Feld verweist. Denn genau in diese Richtung entwickelt sich die Xynamavrotraube: den köstlichen Duft von Trüffeln und Rosen, und sie behält ihren zupackenden Geschmack.

Also, liebe Freunde, kommt unter meinen griechischen Weinrettungsschirm. Es gibt Hoffnung!

Über hendrikthoma

Master Sommelier und Gastgeber bei Wein am Limit
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25 Antworten zu 35. Folge – Kommt unter den griechischen Weinrettungsschirm

  1. Harry Korff schreibt:

    Hallo Hendrik und alle anderen,
    wir waren in HH in den Deichtorhallen auf einer Weinmesse und da sind wir zufällig über einen Händler gestolpert der Griechische Weine vertreibt.
    Die Weine kamen größten teils von der Insel Kreta und haben uns absolut überzeugt.(Doulouflakis Winery – Kreta + Weingut Chatzivaritis – Goumenissa, Region Makedonien)
    Mittlerweile haben wir mit Freunden eine Private Weinproben veranstaltet und alle war angenehm überrascht von den Weinen und auch die Preise sind OK.
    Besonders gut kamen die Autochthonen Rebsorten an – “Endlich mal etwas anderes im Glas” – Abseits der Weltweit angebauten Rebsorten gibt es viel zu Endecken, wir werden weiter Probieren.
    Gruß
    Harry

  2. Thomas schreibt:

    Schöner Beitrag, der Interesse weckt. Meine Erfahrungen mit griechischem Wein sind zuletzt durchweg positiv. In den letzten Jahren habe ich mehrfach bei guten Weinhändlern oder im Rahmen von Clubpaketen verschiedene Weine aus GR probiert. Keine Enttäuschungen dabei, ganz im Gegenteil. Mein letzter Retsina ist aber mind. 25 Jahre her – beim “Griechen” zu Studentenzeiten. Das war keine gute Erfahrung. Nun hatte ich damals auch noch keine Erfahrung mit Wein. Mit Retsina ging es mir damals wie mit Lambrusco beim “Italiener”: Finger weg. Heute weiß ich, wie gut Lambrusco sein kann, da lohnt sich vielleicht auch nochmal der Versuch eines guten Retsina. Dachte bislang nicht, dass es sowas überhaupt geben kann.

  3. Rainer schreibt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Malamatina

    Das ist der Retsina der mir beim Griechen Spaß gemacht hat und den ich da gerne trinke. Das Etikett mit dem Burschen der sich den Wein rein gießt und einen Schlüssel im Bauch trägt ist genau so einprägsam wie die „Darreichungsform“ in der Kronkorkenflasche. Da kommt schon vor dem ersten Schluck Freude auf. Mag ich – für diesen Spaß und unbeschwerten Genuss vergebe ich 100 Punkte. ;o)

  4. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    Superidee mit den griechischen Weinen. Die letzten Weine, die ich getrunken habe, waren Seelentröster erster Qualität. Ich hatte mich von meinem griechischen Kollegen dazu überreden lassen das Spiel Deutschland-Italien im griechischen Restaurant “Orpheus” in Wien anzuschauen. Alle waren zuerst recht sportlich, wünschten Deutschland Glück und die immer wieder servierten Mezze und der Weißwein aus Thessaloniki ( autochtone Rebsorten) waren der Hammer. Mist war nur das peinliche Spiel der Deutschen. Als dann in der Küche der Freudentaumel beim 2 zu 0 zu hören war, hatten mein Kollege und auch die Kellner Erbarmen und brachten den besten griechischen Rotwein (aus autochtonen Trauben) aus der Region Thessaloniki, den ich je getrunken habe. Ich schlüpfte also unter den griechischen Weinrettungsschirm. War irgendwie Klasse, trotz der Blamage.

  5. Peter schreibt:

    Sehr gute Initiative, Hendrik! Habe auch schon einige sehr gute griechische Weine getrunken, z.B. Amethystos. Überhaupt schade, daß (höherwertige) Weine aus Griechenland hierzulande so unterrepräsentiert sind. Würde gerne öfter welche trinken, dafür lieber weniger Italiener, Spanier, Übersee usw.

  6. Marco Rosso schreibt:

    Schön,das du mal eine Lanze für Griechischen Wein brichst.Habe in letzter Zeit auch öfter mal Griechischen Wein probiert und war positiv überrascht. Der Ramnista und ein Reinsortiger Asirtiko von der Insel Santorin waren auch dabei.

  7. Rainer schreibt:

    Stimmt, das habe ich auch gedacht, doch dann ….

    http://content3.spickmich.de/images/article2_images/16e/425e_EbtRPKZlWE.jpeg?t=1330013833

    ….fiel mir dieser Beitrag wieder ein:

    Petri Heil für Nikolaus S. hier an der Angel:

    http://weinamlimit.de/2012/04/12/12-folge-verkostung-auf-see/
    ;)

  8. USCHI DENEKE schreibt:

    lieber henrik
    das wichtigste bei santoriner weinen ist, anidra heisst uebersetzt ohne wasser nur was die nartur hergibt,und diese bastkoerbe werden per hand jedes jahr neu eingelegt ,das ist harte arbeit.es gibt sehr gute assyrtiko .adani,athiri und nartuelich den mayrotragano .einige winzer stellen auch einen super leckeren dessertwein (boudomatos,assyrtiko) vinsanto von 4 bis 70 jaehrigen,es wuerde mich freuen sie mal zu einer wein probe bei mir im geschaeft einzulader,da ich als deutsche schon fast 30jahre auf der insel lebe ,habe ich noch einige gute griechische wein hier parat.herzliche gruesse ihre uschi deneke IAMAWINESTORE.COM

  9. Branislav schreibt:

    Mein Favorit aus dem Haus Sigalas ist Santorini Assyrtiko OPAP, trocken, meiner Meinung nach, viel interessanter als Athiri…

  10. Hardy schreibt:

    Hm,
    hier wäre ein Lehrer der auch gerne Wein machen würde. Gibts irgendwelche guten Tipps?

  11. Thorsten Jordan schreibt:

    Also meine ersten Erfahrungen mit griechischem Wein habe ich (wie soll es anders sein) beim Griechen um die Ecke gemacht! Was soll ich sagen. Selbst von den einfachsten Weinen auf der “Karte” war ich schon begeistert! Und das war/ist kein Nobelschuppen! Und am Ende ging ich dann mit einer Flasche weißem Imiglykos und einer Flasche gutem “Was-weiß-ich-was” aus Agiorgitiko… War ein folgenreicher Abend… :-D

  12. Gerhard Prammer schreibt:

    Hallo Hendrik,

    im Beitrag über den Griechischen Wein ist mir beim Retina abgegangen, mit welcher Temperatur man den Retina trinken soll. Ich habe einmal in Piräus einen herrlichen Retina getrunken, der mit Raumtemperatur in der Taverne direkt aus dem Fass kam.
    Freue mich auf jeden neuen Beitrag.

  13. Gilli Vanilli schreibt:

    Retina einmal getrunken an diesen Harz / piniengeschmack komm ich einfach net ran

  14. Matthias Grigo schreibt:

    Hallo Hendrik, vielen Dank für deinen tollen Videoblog.
    Ich habe mich lange durch die griechischen Weißweine probiert und mein Favorit ist der Robola aus Kefalonia. am Besten gerät er meiner Meinung nach bei Gentilini. Sehr viel Spaß im Glas für nen kleinen Taler.
    Gruß Matthias

  15. Hallo Hendrik, Harry hatte es ja schon im ersten Kommentar lobend erwähnt (Danke!): Gerne lade ich dich ein, unsere griechischen Weine in Hamburg zu verkosten (wir importieren selbst!). Spätestens auf der WineStyle hättest du die Chance davon einige zu verkosten. Gerne aber auch früher.
    LG
    Ralph

  16. Pingback: Weine aus Makedonien - Seite 13

  17. Georgios Rizos schreibt:

    Hallo Herr Thoma.
    Bin erst vor kurzem auf diese Weinshow gestoßen und verfolge sie seit dem regelmäßig. Und umso begeisterter war ich,als Grieche und Gastronom ,einen Beitrag über griechische Weine zu sehen. Denn auch ich versuche meinen Gäste den echten griechischen Wein näher zu bringen.
    Tolle Folge und hoffe das sie bald mal wieder den ein oder anderen Tropfen aus dem Land der Götter vorstellen. Ich hätte da auch die ein oder andere Anregung fals gewünscht. In diesem Sinne Jamas !

  18. Ralph Urban schreibt:

    Schluss mit dummen Vorurteilen und Klischees … Dionysos ist längst auferstanden! – Griechischer Wein hat zurückgefunden und schließt zur Weltklasse auf. Und ganz ehrlich: Udo Jürgens, Retsina war gestern … schon lange her. Heute heißt es 90 Punkte und mehr aus dem Lande dem alle anderen den systematischen Weinbau zu verdanken haben. Es ist Zeit aufzuräumen.

    https://www.facebook.com/DionysosDays

  19. Stefan Klute schreibt:

    Habt Ihr da oben so schlechte Fachhändler?

    • Es ist leider so, dass es viele Fachhändler es mit dem griechischen Wein nicht so ernst nehmen. Großhändler die nur auf Gewinnmaximierung aus sind machen uns das Leben in der Tat schwer. Entweder verkaufen sie den Wein zu billig (Preiskampf) oder viel zu teuer (so dass Preis-Leistung in keinem Verhältnis stehen). Seit Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema recht intensiv und habe auch schon Lösungsvorschäge erarbeitet und Aktionen begonnen dass Bild zu korrigieren.
      Leider ist es aber auch so, dass Klischees nach wie vor vorangetragen werden eben auch von Experten oder dass es leider zu wenige „neue Ideen“ gibt. Quasi wird nur alter Wein in neuen Schläuchen serviert. Leider sind es auch immer die gleichen Namen zum Teil überteuerter Weingüter die mit großen Werbebudget agieren die man in Beiträgen hört. Dabei gibt es eine ganze Reihe hervorragender Weingüter und Weine kleinerer, unbekannterer Winzer die es mehr als verdient hätten mal von Experten besucht zu werden. Ich nenne mal hier keine Namen … die Erfahrung zeigt, dass das dem Sponsor nicht sonderlich gefällt ;-).

      Ich habe mir mal wieder die Mühe gemacht eine Reihe bekannterer und unbekannter Weingüter auch wieder in diesem Sommer zu besuchen. Fazit ist und bleibt: Achtet mehr auch die Geheimtipps. Preis-Leistung ist häufig um Längen besser. Besser man erforscht es einmal selbst als sich von irgendwen wieder irgendwohin senden zu lassen …! Das mag besser sein für den Preis der Weine aber vielleicht weniger gut für die Euronen in der Geldbörse des Einzelnen Experten, da das Geld bei solchen Betrieben nun einmal nicht so locker sitzen kann.

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