42. Folge – Der Weinkartentester

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Verdejo Emina
Bodegas Matamorromera, Rueda
bis 10
2008 Rioja Crianza
El Coto
bis 10

Aus gegebenem Anlass zu einem Artikel, der am Wochenende in der Hamburger Morgenpost (siehe Link unten) erschien, habe ich Carsten Laade als Gast zu „Wein am Limit“ eingeladen. Carsten bewertet die Weinkarten Hamburger Restaurants für das Magazin „Szene Hamburg“.

Leider wird das Thema in vielen deutschen Restaurants stiefmütterlich und unauthentisch behandelt. Wenig Soul im Glas, keine Beratung, schlecht temperierte und teure Weine, die es nicht wert sind. Der Handel schweigt dazu vornehm, schließlich möchte er seine Kunden nicht verlieren. Ein Teufelskreislauf. Durch diese Politik ist der Wein zu einem teuren Kunstobjekt verkommen. Viele Gäste, die davon abgeschreckt sind, kommen ebenfalls nicht mehr und sagen auch nichts.

Um es gleich vorweg zu nehmen: es gibt viele Lokale in Deutschland, die einen super Job in Bezug auf Wein machen. Gegen Geld verdienen spricht auch überhaupt nichts. Traurig macht mich eher der Umstand, dass in der Gastronomie die Arbeitszeiten und Bezahlung wenig Perspektive für junge Leute bieten.

Meistens machen die Patrons oder die Mannschaft, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, den feinen Unterschied aus. Viele Kunden sind auch bereit, einen höheren Aufwand, den z. B. ein Sternelokal mit viel Personal und Ausstattung betreibt, zu bezahlen. Dazu gibt es keine zwei Meinungen. Doch am Ende muss die Rechnung für die geleistete Qualität stimmen. Es muss auch keine elitäre Riesenweinkarte sein. Sie muss einfach zum Konzept und Stil des Hauses passen.

Doch muss Wein als Subventionsmittel ausschließlich dazu dienen, andere Leistungen und Produkte mitzubezahlen? Das mißfällt mir und das prangere ich auch an. Meine Kritik richtet sich an die Gastronomen, die mir belanglose Ware emotionslos, teuer und fantasielos verkaufen wollen.

Mein Gast Carsten ist mittlerweile eine wichtige Instanz mit seinen Beiträgen und Bewertungen in der „Szene Hamburg“ geworden. Denn die Gäste achten neben Atmosphäre, Essen und Service auch auf eine interessante, animierende Weinkarte. Gerade, weil der Wein einen Großteil der Rechnung ausmacht, sollte man sich ein ansprechendes Konzept ausdenken. Außerdem zahlen sich „Fair Play“ und ein paar clevere Ideen wie man seine Ware anpreist langfristig immer aus. Dafür plädiere ich.

Die beiden Weine dieser Folge sind für den Rotary Club extra abgefüllt worden und mir von einer Facebook-Freundin zugespielt worden. Der Verdejo aus dem Rueda hat zwar einen vielversprechenden fruchtigen Duft nach Limette, Guave und Mango, schmeckt dafür aber total belanglos: kurz, breit und artifiziell. Da gibt es weit Besseres aus dem steinigen Rueda. Diesem Wein fehlt Säure und Frische. Der Rioja Crianza von El Coto ist typisch für diese nordspanische Region. Er hat einen vanilleartigen Duft und ein beerig-fruchtiges Aroma. Ein mittelkräftiger Wein, der sich jetzt gut trinken lässt. Knapp drei Soulpunkte.

Ich bin gespannt auf Eure Meinung. Bei „Wein am Limit“ gilt weiterhin „Mehr Spaß im Glas!“.

Über hendrikthoma

Master Sommelier und Gastgeber bei Wein am Limit
Dieser Beitrag wurde unter Rotwein, Weißwein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

35 Antworten zu 42. Folge – Der Weinkartentester

  1. Bernd Klingenbrunn schreibt:

    Gibts es die Bewertungen der Weinkarten eigentlich in gedruckter Form, als Buch??

  2. August Poth schreibt:

    Sehr spannendes Thema. Ich bin gerade dabei unsere Weinkarte neu zu schreiben bzw zu aktualisieren. Wir versuchen sehr faire Preise für Weine anzubieten, mit der Hoffnung das dies auch so honoriert wird.
    Mal eine Frage in die Runde findet ihr es gut bzw schlecht als Deutsches Weinlokal sich bei den Weißweinen nur noch auf Deutschland zu konzentrieren?

    • David schreibt:

      Wie fast immer immerein interessanter Beitrag.
      @August: Ich habe gerade bei den Weißen nichts gegen eine Beschränkung auf deutsche Weine. Dafür gibt es zu viele gute Tropfen im Land. Allerdings verschlösse man sich damit gegenüber guten Weinen aus anderen Gebieten. Gerade als Restaurant möchte man seinen Gästen doch aber das beste geschmackliche Erlebnis bieten – und dafür finden sich außerhalb Deutschlands Spitzenweine, die es so von der Charakteristik her in D nicht gibt.

    • Kay schreibt:

      Ich als Schweizer fände es nicht schlecht. So lerne ich die Weine aus dem jeweiligen Land kennen falls ich in diesem Esse.

    • Joachim schreibt:

      Hallo August, finde es legitim, das so zu machen. Allerdings ist vielleicht eine Schwerpunktsetzung besser als eine abolute Beschränkung.

    • Praterralle schreibt:

      Finde ich sehr sinnvoll. Man kann eigentlich nicht, wenn man eine gute Qualität anbieten will, aus allen möglichen Weinbaugebieten Weine anbieten. Ein sinnvoll gepflegter Weinkeller, bei dem auch auf spezifische Lagen und Jahrgänge geachtet wird ist mir viel lieber. Auch die Ausrichtung auf Küche und Regionalität finde ich sehr wichtig. Wenn ich an der Ahr bin, mächte ich auch Weine von dort trinken und nicht irgend einen “Tropfen” aus Spanien.

    • m_arcon schreibt:

      Hallo August,

      finde ich nicht schlimm. Das “Amador” in Mannheim das immerhin mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet ist, hat beim Weißwein ausschließlich deutsche Winzer auf der Karte. Beim Rotwein wird auf Spanien gesetzt. Klare Trennung, von dem her glaub ich alles cool :-)

    • m_arcon schreibt:

      Weinkarte des “Amador” übrigens hier, falls es jemanden interessiert: http://www.amador.ag/amador_restaurant/tl_files/jquery-slideshow/img/wein/Weinkarte%202012.pdf

  3. Kay schreibt:

    Ich war am Freitag in Koblenz essen. In einem kroatischen Restaurant, welches eine grosse Anzahl von offnen Weissweinen anbot und mir gleich einen guten für das Essen empfiehl. Auch die Glaskultur war auf einem sehr guten Niveau. Alle offnen Weissweine kostet dort für 0,5l nur 6.50 Eur sehr positiv überraschend.

  4. Joachim schreibt:

    Sehr gutes und aktuelles Thema. Bei mir macht der Wein wie bei Dir, Hendrik, meist die Hälfte des Rechnungsbetrags aus, an besonders fröhlichen Abenden auch gerne mal mehr. Ist auch ok für mich, wenn ich dafür angemessen kalkulierte Weine bekomme und das ganze Drumherum stimmt. In vielen guten und auch sehr guten Restaurants ist das auch der Fall, allerdings ist – gerade in sehr promineten Häusern – bisweilen die Kalkulation jenseits von Gut und Böse. Bevor ich ein neues Restaurant ausprobiere, schaue ich mir gerne die Speise- und die Weinkarte im Web an. Bei allzu abenteuerlichen Kalkulationen gehe ich nicht hin. Ich verstehe, dass ein ordentlicher Aufschlag notwendig ist, um einen Restaurantbetrieb zu finanzieren, aber es muss sich in Grenzen halten. 300% finde ich bei Weinen, deren Einkaufspreis bei 5 Euro liegt, absolut in Ordnung. Einen 1995 Château Ducru-Beaucaillou, der (sogar jetzt noch, früher sicher deutlich weniger) im Einkauf 140 Euro kostet, für 550 Euro zu verkaufen, finde ich lachhaft.

  5. Nick schreibt:

    Was nützt ein gutes Weinangebot im Restaurant wenn das Servicepersonal den Wein nicht fachmännisch präsentieren und dem Gast nahe bringen kann? Oftmals sind Kellner hoffnungslos bei Nachfragen überfordert. Hier sehe ich, genauso wie bei dem Billig Wein Angebot, ein großes Manko. Schmecken kann man erlernen.

  6. Stephan Ziehen schreibt:

    Ich fände auch ein Korkgeld für selbst mitgebrachte Weine wünschenswert,so wie es in
    Amerika etc. üblich ist.
    Und ich glaube auch,daß alle die sich mit Wein auskennen auch ein Gefühl für den akzeptablen Preis haben und daher auch bei fair kalkulierten Weinkarten zuschlagen werden,diejenigen die
    sich nicht auskennen nehmen wahrscheinlich eh immer den billigsten Wein.
    Auch ein klar definierter und guter Hauswein fand ich im Ausland häufig erstaunlich gut und auch für Laien eine aufrichtige Wahl-das muss ja nicht immer der aller günstigste Wein sein,aber es
    könnte ein Licht im Dunklen sein…

  7. Rainer schreibt:

    Wenn ich bei Google nach „rotary wein“ suche, verstehe ich das so, Leute die es sich leisten können kaufen Wein zum hohen Preis und das eingesammelte Geld kommt einem wohltätigen Zweck zugute. Das PLV schwankt bei diesen Aktionen und Auktionen sehr stark, las ich dort.

    http://www.wein-plus.eu/de/Deutschland+Mehr+Weinumsatz,+weniger+Weinexport.fn_4.0.6.0.6708.html

    Zum Thema Weinumsatz in Deutschland sagt der o.g. Artikel, 75% werden hierzulande im Lebensmittelhandel eingekauft, wobei die Discountmärkte mit 47 Prozent den größten Teil für sich in Anspruch nehmen.

    Weder Essen noch Trinken haben im Lebensmittelhandel in Deutschland einen besonderen Stellenwert, eher geht es in Richtung möglichst billig und möglichst viel Menge für’s Geld, Qualität scheint nicht so wichtig zu sein. Die beiden Zitate aus dem aktuellen Video die das belegen, zum einen der zitierte „Spanier um die Ecke“ (übersetze ich mal als germanisierter Ethnofoodlieferant) zum anderen die Zustimmung auf die Frage ob es ein Aperitif sein darf mit der Antwort „Ja, nehmen wir!“ (übersetze ich mal mit, bloß keine Gehirnakrobatik, wir wollen unterhalten werden).

    Oder wie es im Dinner for One exemplarisch heißt „I think we’ll have white-wine with the fish.“

    Hängen draußen an vielen Lokalen nicht auch die Leuchtreklamen der Bier-Brauereien mit deren Krediten die Gaststätte ausgestattet wurde?
    Ist der Weingenuss denn nicht nur in den Weinanbaugebieten der eigentliche Grund für einen Gaststättenbesuch? Ist beim x-beliebigen „Spanier um die Ecke“ es nicht den meisten Gästen ganz egal ob sie roten oder weißen Wein trinken sofern sie überhaupt Wein bestellen wollen?

    Über einen sehr bekannten Hamburger Weinversand las ich bei Wikipedia:
    „…erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von 411,4 Mio. Euro. Das EBIT lag dabei bei 26,7 Mio. Euro, der Konzernjahresüberschuss belief sich auf 17,9 Mio. Euro und das Ergebnis pro Aktie betrug ca. 1,99 Euro.“

    Sind nicht eher die Versandhandelsbesteller Weininteressenten die sich tatsächlich ausführlich und in Ruhe mit den einzelnen Weinen beschäftigen als diejenigen die in der kritisierten Gastronomie dafür zu viel Geld zahlen?

    Bei der Preissensibilität die beim Deutschen Verbraucher herrscht halte ich es für nahe liegend, dass die überhöhten Weinpreise genau so hingenommen werden wie die Beförderungsentgelte von Taxiunternehmen. Für 5 km Busfahrt zahle ich 2,10 EUR und das Taxiunternehmen nimmt fast das 10-fache dafür – warum auch nicht, der Markt gibt es doch her!

  8. Werner schreibt:

    Interessantes Thema. Die Erfahrungen in anderen Ländern wie Italien, speziell Trentino und Südtirol zeigen mir dass man sich dort oft auf die sogenannten Hausweine, also Einstiegsweine eines ortsansässigen oder befreundeten Erzeugers verlassen kann. Da bekommt man für kleines Geld (2-3 facher Einkaufspreis) anständige, qualitativ gute Weine und wird sehr selten enttäuscht.

    In Deutschland sieht das leider sehr oft anders aus, billiger schlechter Fusel für teures Geld oder Weine von bekannten Erzeugern die dann nicht mehr bezahlbar sind. Wenn ich für eine Flasche die im Einkauf 12 Euro kostet im Restaurant (normales Restaurant, kein Nobel-Laden) 70 Euro bezahlen soll dann ist das für mich Abzocke. Dass das Restaurant am Wein verdienen muss ist unbestritten, aber wenn die Gäste dann aufgrund oft überzogener Weinpreise nur Wasser und Bier trinken habt ihr auch nix davon liebe Gastronomen! Leider findet man in Deutschland sehr selten interessante und für den Verbraucher noch fair kalkulierte Weinkarten.

    Auch das pauschale Modell Einkaufspreis mal Faktor X ist für mich nicht nachvollziehbar – wenn man für eine Flasche die im Einkauf 5 Euro kostet mit Faktor 5 verkauft sieht 25 Euro immer noch erträglich aus, beim Einkaufspreis von 20 Euro ist Verkauf mit Faktor 5 für 100 Euro absolut nicht mehr OK.

    Sehr witzig sind auch die ganzen Kommentare bei dem Mopo-Artikel, nach dem Motto “Thoma du Nestbeschmutzer hast doch früher genauso die Leute abgezockt” :-).

    • Rainer schreibt:

      Na ja, das Geschimpfe vom “Nestbeschmutzer” soll offensichtlich eine Provokation sein. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger dieser “Rufer” sein Geschrei anhand von Restaurantrechnung und Kassenbon stichhaltig beweisen kann. Ich bezweifle sogar, dass diese Schmährufer überhaupt jemals ihren Fuß in ein Lokal der gehobenen Gastronomie gesetzt haben. Für mich sind das feuchtfröhliche und vollmundige Stammtischparolen vom Biertisch. ;)

      • Werner schreibt:

        Ja Rainer, genau das meinte ich damit. Ich bezweifle auch ob einer von den Sprücheklopfern Hendrik kennt oder zumindest sich jemals ernsthaft mit Wein und Gastronomie beschäftigt hat. :-)

  9. Daniel schreibt:

    Hey Hendrik,

    Flaschenabfüllung bei Wein: ist das nötig zur Qualität oder könnte man auch Topwein im Tetrapack (ver-)kaufen?!

    • Rainer schreibt:


      Ab 01:20 beantwortet diese Frage der unvergessene, großartige Sommelier der Herzen Wigald Andreas Boning.
      Probiers mal mit BiB, da ist wesentlich mehr drin. ;)

  10. Sehr gutes Video. Fair finde ich so wie wir es in der WunderBar zu Donauwörth handhaben. Auf jede Flasche pauschal 15€ und bei Weinen im Ek um die 5€ kostet die Flasche nicht mehr als 15€ im Verkauf. Soll heißen eine Flasche Diel Dorsheim kostet bei uns einen Zwani und eine Flasche Diel Burgberg aus noch vorhandenen 2006 45€ bei einem Ek von ca. 30 €. Ornellaia 2002 Ek ca. 110€, kostet 125€. Fakt ist, dass die Leute Wein trinken und auch kein Problem haben mit ihren Freunden auch mal ne 2 und 3 Flasche zu öffnen. Die Leute, die sagen, dasss würde nicht gehen, bunkern ihre “Schätze” halt bis zum Ende aller Tage. Wenn du verkaufst geht alles. Fazit: Wichtiger Beitrag THX der Direttore

    • Praterralle schreibt:

      Superkonzept

    • Gobenn71 schreibt:

      Finde ich auch sehr gut, dieses Konzept. Ich gehöre nämlich auch zu denen, die im Restaurant eher selten Wein trinken, weil ich nicht einsehe, das 4-5 fache (oder gar mehr) des EK für eine Fl. Wein zu zahlen.
      Wobei es dabei auch nicht nur ums Prinzip geht sondern eben auch ums Finanzielle. Zuhause trinke ich viel wein in der Preisklasse zw. 8 und 15 €, im Restaurant kann ich mir das schlicht nicht leisten, dann stattdessen 32(40)-60(75) € zu zahlen, was zudem dann meist viel mehr ist, als ein gutes Gericht kostet.

    • Werner schreibt:

      Genau so sollte es sein, dann wird auch mehr Wein getrunken und mehr Leute beschäftigen sich damit.

  11. August Poth schreibt:

    Fakt ist doch auch, dass trotz egal welcher Kalkulation sehr wenig Weine über 60 Euronen verkauft werden, auch in der Spitzengastronomie! Nur sehr wenige Menschen sind bereit mehr Geld auszugeben.
    Nur 15 Euronen an einem 110€ teuren Wein zu verdienen bringt dem Gastronom rein gar nichts. Es ist aller höchstens gut für sein Renomee, aber sein Personal kann er davon nicht bezahlen. Es ist Betriebswirtschaftlich natürlich etwas anderes 110€ Weine einzukaufen oder 15€ Weine das muss mann auch mal sagen dürfen. Ok wir verkaufen die ganz teuren Weine auch sehr billig aber nicht um Geld zu verdienen! Bestellt werden Sie trotzdem kaum!

    • Herr Poth, was habe ich davon, wenn ich einen 110€ EK Wein jahrelang im Keller liegen habe, was auch wiederum Kosten verursacht, aber nicht verkaufe, da ich 250€ verlange? Noch weniger. Wir rechnen pro Tisch und Verweilzeit und da ist es uns relativ egal, wie der EK sich gestaltet. Die Leute sollen Spaß haben und wie Hendrik im Video sagt, die Leute wissen heute sehr schnell über den Preis bescheid. Wenn ich also z.B. einen Johannes Geil 2011 Weissburgunder für 5€ einkaufe, kann ich den Preis von ca. 15€ rechtfertigen. Die Leute erkennen das an und empfinden dies nicht als Wucher und sind eher bereit eine 2. oder 3. Flasche zu öfffnen. Und!, sie kommen auch öfter. Weil sie nicht ihr gesamtes Erspartes für eine Flasche Wein für 50€, die den Gastronom 8€ gekostet hat, an einem Abend auf den Kopf hauen. Demnach bleibt das Publkum relativ konstant von Dienstag bis Sonntag, so dass sich Nebenkosten und Bedienungen etc. durchaus rechnen. Die Kapitalbindung im Keller ist durch einen erhöhten Durchlauf auch relativ gering. Klar, in der Bar gegenüber kriege ich noch einen 1998 Ornellaia, der liegt da aber auch schon seit 2004 und kostet 379€….

      • Pierbattista schreibt:

        Genau Herr Breitenfeld, ich sehe das auch so. Habe jahrelang in der 2 und 3 Sterne-Gastronomie als Sommelier gearbeitet, konnte mich aber leider kaum gegen meine Chefs durchsetzen was die Preisgesteltung der Weine anbelangte. Teure Weine in teuren Restaurants, so ist das nun mal, nur die 80ziger sind vorbei…
        Als ich doch noch die Kompetenz der Presigestaltung hatte, siehe da, wie erawartet, drehte der Keller um einiges schneller und am Ende stimmte die Rechnugn für den Betrieb. Richtig Hendrik, man sollte jeden Wein genau betrachten und entsprechend den Preis anpassen, bei einem günstigen EK Geld verdienen, bei einem teuren EK, dem Gast eine Freude machen, das Leben könnte so einfach sein…
        Grüsse aus Rapperswil am Zürichsee

      • Leo schreibt:

        hear ye, hear ye, hear ye

      • August Poth schreibt:

        Ich mache das ja auch genau so wie Sie sagen, nur mein Chef ( Vater) denkt noch etwas anderst. Wir haben sehr geringe Aufschläge, gerade bei den teuren Weinen.
        Nur ein Beispiel der 11er Dönndoff Riesling Kahlenberg kostet bei uns 29,90€.
        Ich werde mich da schon durchsetzen.

  12. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    Klassethema. Für Städte wie Hamburg und Berlin, mit “wenig” eigener Weinkultur ist das natürlich eine spannende Diskussion und für den Endverbraucher dort ein Buch mit sieben Siegeln. In Würzburg und Wien beispielsweise, hat man die Preise ab Weingut im Hinterkopf und ein Lokal, das bei der Weinkarte übertreibt, wird beim Absatz deutliche Probleme haben und nur noch seinen Hauswein oder Bier absetzen.

    Die Weinwelt ist größer und undurchschaubarer geworden. Als Verbraucher schrenke ich mich deshalb auf gewisse Weinbaugebiete ein. Ein angemessener Lokalpatriotismus ist glaube ich schon sehr sinnvoll. Bei allen Lebensmitteln.

    Mit Sommeliers habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wobei die guten aber überwiegen. Oft haben Lokale in Deutschland einfach schlecht geschultes Personal aufgrund des Kostendrucks.

    Ich bin bei Besuchen von sehr guten Restaurants in Frankreich und Italien immer wieder überrascht, wie hier die Weinkalkulation gemacht wird. Die angesprochenen 300 Prozent kann ich hier meistens nicht finden. Oft sind hier 100-200 Prozent Aufschlag, was ich auch absolut in Ordnung finde. Man bekommt oft auch halbe Flaschen, was in Deutschland praktisch nicht der Fall ist.

    Die erwähnten 800 % sind eigentlich nur noch als Wucher zu bezeichnen und erinnern an Lokalitäten, für die Hamburg ja auch bekannt ist, welche aber eine andere Servicepalette haben. Dort würden die Preise ja auch vollkommen gerecht sein, aber ich nehme an, dass es nicht um diese Etablissements ging?

    Übrigens dange fü die Liddaweinbrobe. Ich hoff´vei scho dass a Frange dabei is.

    Grüsse aus Wien
    Ralf

  13. Marco Rosso schreibt:

    Super Sendung ! Wird Zeit das die Gastronomie aus ihrem Weindornröschenschlaf geweckt wird.
    Denn Hamburg ist überall !

  14. Klaus Dieter Keissner schreibt:

    Hallo, Hendrik
    ich bin ein grosser Fan Deines Weinblogs und Stefan Henssler ist mir nicht sehr sympathisch
    Aber nach dem Lesen des Artikels der Morgenpost habe ich selbst einmal nachgeforscht.
    Ich habe mir die Weinkarte von Henssler u. Henssler angesehen und Preise gegoogelt.
    Den Grauburgunder von August
    Ziegler Maikammer Mandelhöhe 2011 finde ich im Internet zu 7,50 Euro Einkaufspreis bei Weinhandel Regenbogen.
    Ich finde aber auch einen Maikammer Mandelhöhe 2011 von Ökonomierat Ziegler (Michael Ziegler)
    im Weinshop Ziegler für 4,70 €
    Ist hier vielleicht der Wein verwechselt worden ??
    Bei den Grossen Gewächsen Glottertäler Eichberg 2008 Salwey beträgt der aktuelle Preis 19,50 – 19,95 im Einkauf — Verkauf Henssler 56,00. Der Idig von Christmann ist im Einkauf zu 34,50 – 35,00 € zu haben Verkauf Henssler 69,00 €
    Der Riesling Robert Weil 2011 ist für 11,95 € zu erwerben, bei Henssler für 34,00 €
    Der Centgrafenberg 2010 von Fürst kostet im Einkauf 31,00 € bei Henssler 62,00 €
    Somit scheint mir die Weinkarte von Henssler u. Henssler doch moderat bzw. fair kalkuliert zu sein.
    Allerdings habe ich auch schon Weine aus dem LEH für 4,00 € für 30,00 € auf Weinkarten gesehen.
    Doch die Weinkarte von Henssler und Henssler scheint mir ein schlechtes Beispiel zu sein

  15. Hendrik schreibt:

    Hallo Klaus-Dieter, das hört sich auch aus meiner Sicht durchaus moderat an. Vielleicht ist es vielen Lesern des Artikels nicht bewußt, daß ich ihn gar nicht geschrieben habe. Die Auswahl der Beispiele hat der Journalist selbst gewählt. Auch wenn ich lange nicht mehr dort war, finde ich das Restaurant absolut symphatisch. Viele Grüße, Hendrik

    • Klaus Dieter Keissner schreibt:

      Hallo Hendrik,
      der Artikel wirkt so, als hättest du dieses Beispiel gebracht. Vielleicht solltest du dies einmal klarstellen, denn ich denke, für Stefan Henssler ist es nicht sehr angenehm, als Wucherer dargestellt zu werden
      Grüsse, Klaus Dieter

  16. Klaus Dieter Keissner schreibt:

    Hallo Hendrik,
    im Nachgang zu meinem Kommentar bezüglich der Kalkulation von Steffen Henssler habe ich jetzt eine Idee gehabt. Vielleicht könntest du ja in einem deiner nächsten Videos beide Weine Maikammer Mandelhöhe Grauburgunder zusammen mit Steffen Henssler verkosten, denn es ist ja doch interessant, wie zwei Weine gleicher Rebsorte und gleicher Herkunft deutliche Preisunterschiede zwischen 4,70 € und 7,50 € aufweisen.
    Grüsse, Klaus Dieter

  17. Gilli Vanilli schreibt:

    Uiuiui heißes Thema – und das wirkt ja im mopo Artikel so als
    Wuerde Hendrik henssler so abwerten
    Ging ja in den Kommentaren auch heiss her

    Ich persönlich Schätze korkgeld Sehr wie zb auch Billy Wagner im Rutz das macht
    Mit 18€ aufschlag auf den Ek bzw außer Haus Preis

    Wenn wir essen gehen trinken wir zwar immer Wein aber eben auch meist nur einfache Weine wie Riesling den man kennt und der um die 10 EUR kostet und im Restaurant bis zu 30

    Da weiß ich was Ich bekomme und es ist mir lieber als zb ein GG für 70/80 EUR was im Ek
    30 kostet das finde ich frech

    Klar finanziert sich ein Restaurant über Getränke und alle auch Cola und wasser und Kaffee sind teuer aber man würde sicher mehr trinken wenn es moderater wäre

    Ich ärger ich auch immer wenn ich sehe ein Espresso kostet 1,60€ und n doppelter 3,20€

    Wobei der Aufwand fürs Restaurant doch nicht doppelt so groß/teuer ist

    Da schätze ich die Kultur in Südeuropa da bekommt man Espresso oft für ca. 1 EUR und n doppelten für 1,30 so kenn ich das zb aus Südtirol
    Oder in Griechenland wo es zu jeder Getränke Bestellung kostenlos ein Wasser dazu gibt

    Während man hier ja 5 EUR und mehr für ne Flasche stilles Wasser bezahlen muss was schon echt frech ist

    Sowas werden die sturen deutschen sicher nie lernen

  18. Peter Hartmann schreibt:

    Sehr interessanter Beitrag, als Gafiker lege ich besonders Wert auf Etiketten und natürlich auch auf Weinkarten wie diese eleganten Muster.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s