45. Folge – Alpine Frische! 1. Folge

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Veltliner
Köfererhof, Günter Kerschbaumer, Südtirol
10-20
2010 Pinot Grigio „Klausner“
Weinhof Kobler, Armin Kobler, Südtirol
10-20
2011 Eisacktaler Kerner
Strasserhof, Hannes Baumgartner, Südtirol
10-20

Südtirol ist Italiens kleinstes und nördlichstes Weinanbaugebiet mit 5.200 Hektar Weinbergen. Eine Perle unter den Weinregionen der Welt, die vor allen Dingen bei Kennern stark an Reputation gewonnen hat. Nach Norden wird es vor Feuchtigkeit geschützt vom Alpenkamm. Je weiter man nach Süden kommt umso mediterraner wird es. Dagegen wird es im Norden immer trockener und regenärmer. Die Dramatik der Weinberge liegt in Ihrer Höhe über dem Meeresspiegel, die sich bis zu 1000 Meter auftürmen. Des weiteren verleihen die kargen Schotterböden, bzw. die Kalk- oder Urverwitterungsgesteinsböden den Weinen ihre salzige Mineralität . Das Klima wird gekennzeichnet durch kühle Nächte, die mit jedem Höhenmeter zunehmen und durch heiße Tage bis zu 40 ° C.

Südtirol gehört zu den großen qualitativen Aufsteigern des letzten Jahrzehnts. Während in den 70iger bis in die 80iger üble Schädelspalter für Bustouristen abgefüllt wurden, hat es spätestens seit den 90iger Jahren einen bedeutsamen Qualitätsrutsch nach oben gegeben. Heute bietet die Region eine tolle Melange aus italienischer Dolce Vita und Deutsch-Österreichischer Beständigkeit. Dabei rückt die Regionalität und die Einzigartigkeit der Produkte, auch bei Obst und Schinken, immer stärker in den Vordergrund.

Leider sind die Weine Südtirols nicht mehr ganz günstig, aber Qualität hat eben ihren Preis. Keine italienische Region ist in den letzten Jahren in den einschlägigen Führern im Schnitt höher ausgezeichnet worden als Südtirol.

Diese Folge widmet sich in erster Linie den seltenen Weinen des Eissacktals und den jungen Winzern Südtirols. Denn die Rebellen von einst werden langsam aber sicher abgelöst durch die nächste extrem gut ausgebildete Generation und ihre Söhne. Die Eisack ist ein Fluss der am Brennerpass entspringt und bei Bozen in die Etsch fließt. Die Weinberge des Tals sind fast alle nach Süden ausgerichtet und ziemlich hoch. Hier findet man im Rebsortenspiegel auch den Veltliner oder den Kerner, die im restlichen Südtirol kaum zu finden sind. Es sind Exoten in einem exotischen Anbaugebiet.

Hier hat sich in den letzten Jahren eine kleine, aber feine Szene etabliert, deren Weine ich Euch in dieser Folge bei WaL vorstellen möchte: Nicht die großen Kellereien, die sonst das Bild beherrschen, sondern kleine Individualisten, die weniger als 5% der Fläche bewirtschaften.

Günter Kerschbaum vom Köfererhof hat ganze 5,5 Hektar hochgelegene Weinberge, welche die nördlichsten Weinberge Südtirols sind. Sein Veltliner, Österreichs Nationalrebsorte, wächst auf imposanten 700 Meter Höhe auf schotterigem Moränenboden. Ein würziger, mineralisch herber Wein, der zurzeit in einer super Trinkphase angekommen ist.

Armin Koblers Grauburgunder (Pinot Grigio) kommt aus Margreid im Unterland. Er wächst auf 200 Höhenmetern. Pinot Grigio war ja lange der Klischeestoff der Möchtegernschickeria der 90iger Jahre. Schade für sein Image, denn man kann auch herrlich cremig, satte Weine mit wunderschöner Frucht aus Ihr machen.

Der Kerner ist auch in Deutschland bekannt. Er ist eine Kreuzung aus dem hellroten Trollinger und Riesling und in den 30iger Jahren entstanden ist. Sie hat sich bei uns besonders in Rheinhessen und der Pfalz etabliert. Den richtig großen Wurf hat noch niemand aus ihr abgefüllt. Das ist auch gar nicht das Wesen dieser Rebsorte. Denn wer exotisch duftige Weine mag, sollte den Kerner mal probieren. Hannes Baumgartners junge Reben wachsen auf 750 Höhenmeter. Der Stoff wird blitzblank im Edelstahl ausgebaut und hat ein wenig Restsüße. Er bietet ein fruchtiges Aroma von Pfirsich und Citrusfrüchten, ist nicht laut und überladen, sondern sehr animierend und frisch. Klasse zu Thaifood und schärferen Gerichten wie z.B. ein Curry.

Im nächsten Teil geht es weiter mit der jungen Winzergeneration Südtirols.

Über hendrikthoma

Master Sommelier und Gastgeber bei Wein am Limit
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24 Antworten zu 45. Folge – Alpine Frische! 1. Folge

  1. Rainer schreibt:

    http://www.captaincork.com/Weine/veltliner-ohne-oesterreich-suedtirol-kickt-koeflerhof-eisacktal

    Auch Captain Cork, zwar gebürtiger Österreicher aber Liebhaber deutscher Rieslinge, bückt sich heute nach dem Veltliner des Weinguts Kofeler und morgen gibt’s bei Aldi-Nord “Alpen-Aktion” 2 Weine vom „Südtiroler Weinbauernverband“.

    Bückware ist letzteres nicht, kann sich jeder aus den in Griffhöhe aufgestellten Drahtkörben mit der Aktionsware angeln. ;)
    Kalterersee Auslese Classico D.O.C. und Gewürztraminer D.O.C.

    Kaum zu glauben, tolle Zufälle sind das. :)

    • Maat Golenia schreibt:

      Ahoi Rainer,
      Artikelschreiber Maat Golenia ist übrigens kein gebürtiger Österreicher, sondern mundfauler Ostwestfale. Neben der riesigen Begeisterung für den Köfererhof GV, hat er die Herkunft ebenfalls mit Hendrik Thoma gemein.

      Mit seemännischem Gruß

  2. Werner schreibt:

    Südtirol macht Spaß im Glas! In 4 Wochen geht’s wieder nach Terlan, Siebeneich und Andrian, schöne Verkostungen mit passionierten Erzeugern und mit vollem Kofferraum zurück :-).

  3. akismet-eddf44aa20e39399364191c290869e43 schreibt:

    Lieber Hendrik !
    Toll Südtirol, super Weine, fast unbekannt..
    Der Grigio ist doch eigentlich immer langweilig:) Im Süden werden natürlich auch nicht die besten Weine gemacht. Gute Bemerkung in Bezug der Kooperationen; Eisacktal und Terlan sind weltklasse, wäre etwas für manche Gebiete in Deutschland in dieser Weise die Qualität zu steigern.
    Grüsse Seb

  4. Frank schreibt:

    Hallo Hendrik,
    ja, tolle Sendung! Die Weine vom Köfererhof sind in ihrer Art unglaublich schön – die Verbindung von Kraft und Frische ist beeindruckend. Bei den Roten hast Du vielleicht auch Christian Plattner von Waldgries dabei, auch so ein Wilder mit superbem Vernatsch und Lagrein. Kerschbaumer und Plattner verbindet ja das “Weingespann”, komplettiert durch Markus Prackwieser vom Gumphof, dessen Wein Du auf dem Water-Platz in Bozen auch schon in der Hand hattest.

    Grüße, Frank

  5. Stefan schreibt:

    Man kann sich immer auf die nächste Folge freuen. Es wäre durchaus interessant gewesen einen Wein einer Genossenschaft einzubeziehen, etwa aus St. Michael-Eppan oder aus Terlan, die mir besonders gut gefallen. Ich finde Südtiroler Weine auch schön. Mir fällt auf, dass ich meist zu diesen Flaschen im Keller greife, wenn der Wein die Nebenrolle des Abends spielt. Warum? Ich mag die Frische und sie gefällt auch vielen, weshalb mitunter die einfacheren Weine auch noch mehr überzeugen. Wenn man kritisieren will, dann vielleicht, dass diese Weine zwar sehr oft gut gemacht sind, sie aber auch auf hohem Niveau langweilig sein können. Motto: Frisch, sauber, trinkig. Das ist natürlich schon viel aber ich habe selten Unvergessliches getrunken.

    • Frank schreibt:

      Hallo Stefan,
      dann musst Du Dich vielleicht mal in die Ecken und Kanten von Südtirol vorwagen. Hier gibt’s durchaus eigenständige (Spitzen)Weine, die in der Hirnrinde hängen bleiben. Die Region nur auf frisch, sauber, trinkig zu reduzieren, wird den Qualitäten nicht gerecht.

      Grüße, Frank

  6. Stefan schreibt:

    Lieber Hendrik Thoma,
    jolgendes passt vielleicht nur insofern als die vorgestellten Weine wieder sehr jung waren. Das zieht sich durch alle Folgen. Natürlich ist es wichtig, dass die Anregungen der Sendungen auch vom Zuschauer durch den Praxistext nachvollzogen werden können. Als ausgesprochener Fan gereifter Weine suche ich oft nach entsprechenden Weinkarten in Restaurants (klappt noch) aber eben auch nach Besprechungen von solchen Weinen von Fachleuten und hier ist fast nichts zu finden. Ein wichtiger Teil der Weinkultur geht verloren, weil eine “Geschmackserziehung” zu immer jüngeren Weinen zu bemerken ist und das nimmt dem Weingenuss unendlich viel. Das nur als kleine Anregung für eine der folgenden Sendungen.

    • Rainer schreibt:

      Stichwort „gereifte Weine“

      Meiner Meinung nach gewinnen gerbstoffreiche Rotweine durch Lagerung einen runderen, milderen Geschmack, lassen sich somit angenehmer trinken. Hab das selbst mit spanischen Tempranillos genau so erlebt. Andererseits hat aber auch die Rauigkeit der jungen Gerbstoffe seinen Reiz. Es gibt keine Rosen ohne Dornen scheint mir.

      Beim Riesling hab ich bis jetzt immer den Eindruck gehabt, dass mir der möglichst neue Jahrgang am besten schmeckt. Auf Petrol- und Firnis- oder Medizinalnote lege ich keinen Wert, schmeckt mir nicht.

      Soweit ich weiß gibt es einen Versandhändler in Bremen der in seinem Webshob auch gereifte Weine mit Verkostungsnotizen vorhält, wird mit Google bestimmt zu finden sein. ;o) An den würde ich mich halten, schon 2 oder 3 mal habe ich bei ihm bestellt und bin mit seinem Angebot sehr zufrieden.

      • Praterralle schreibt:

        Das Kennzeichen eines guten Weines ist, daß er eigentlich in jedem Stadium gut sein soll. Der persönliche Geschmack entscheidet hier. Manche Jungweine empfinde ich als bessere Fruchtsäfte mit Alkohol, andere nicht. Diese ganze neue Sommerweinkollektion oder Junker, welche leichten Genuß versprechen sollen. Irgendwie überwiegend Magermodellteenies. Weine mit Rundungen, Ecken und Kanten find ich viel interessanter. Und ein reiferer Riesling muß ja keine penetrante Note haben. Wenn diese zu überwiegend ist, würde ich den Wein auch nicht unbedingt als Spitzenwein bezeichnen. Bei Rotwein kann ich mit den jungen in die Flasche gefüllten Rotefruchtkonfitüren auch nicht viel anfangen. Und spanische Rotweine, speziell Rioja, trinkt man traditionell schon gereifter, da hier ganz andere Geschmackskomponenten wie Leder, Tabak oder dunkle Schokolade hinzukommen. Animalische Düfte bleiben ganz dem Riechkolben des Betrachters (Trinkers) vorbehalten.

      • Rainer schreibt:

        “Und ein reiferer Riesling muß ja keine penetrante Note haben.”
        Guter Punkt, hab derzeit einen 2009er Racknitz, Riesling trocken vom Vulkangestein, von der Nahe offen. Zitat des Händlers: ” In der Nase und auch im Mund zeigen sich exotische Früchte, wie Mango, Aprikose, Ananas. Diese reifen Fruchtnoten verbinden sich gleichzeitig wunderbar mit frischen, minzigen Noten. Ein Wein mit klarer, eleganter Struktur, gut eingebundener Säure und einem schönen langen Abgang, der sehr ausgewogen und harmonisch ist.”

        Klingt gut, schmecke ich aber nicht, finde ihn eher alt und abgestanden schmeckend, mag ich so in dieser Art nicht. :)

      • Praterralle schreibt:

        Trockene Nase ist bei Hunden und Katzen kein gutes Zeichen. Ist halt nicht Deine Cup of tea. Hab auch oft die Erfahrung gemacht, dass Mangogeschmack eigentlich Dörrobst meint.

  7. Rainer schreibt:

    Welchen Wein meinst Du denn? Weißen, Roten, Deutschen, Französischen? Welche davon kannst Du besonders empfehlen, welchen findest Du nicht so gut? :)

    http://nachrichten.t-online.de/200-jahre-alter-champagner-aus-schiffswrack-schmeckt-nach-lindenblueten/id_43470478/index

    http://www.spiegel.de/panorama/uralter-schiffswrack-champagner-ueberhaupt-kein-bubbel-mehr-drin-a-729693.html

    Bei 200 jähriger Lagerung 70 Meter unter dem Meeresspiegel der Ostsee soll auch hier der Champagner der Witwe Clicquot im Vergleich schlechter abgeschnitten haben. In einer anderen Verkostungsnotiz las ich da etwas wie „Gestank von Pferdestall“ danach seien aber auch andere Aromen erkennbar gewesen.

  8. SteffenU schreibt:

    Moin, wieder eine schöne Folge.
    Bei Südtirol denke ich immer an Genossenschaften und wie gut die das dort hinbekommen und Hendrik hat natürlich Recht, da könnten sich die deutschen Genossenschaften mal ordentlich was abschneiden. Aber irgendwie muß ich auch dem Kommentar von Stefan beipflichten, so richtig das “Wow-Erlebnis” hatte ich bei Südtiroler Weinen noch nie, aber das kann ja noch kommen…

  9. Marco schreibt:

    Die Südtiroler Wow-Wein-Winzer wissen natürlich mittlerweile dass sie tollen Stoff produzieren, und der kostet auch etwas mehr, hinterlässt dafür jedoch nachhaltig Eindruck. Im Gambero Rosso sollte man da fündig werden. Mein Favorit: Manna von Franz Haas. Und das ist high end zu absolut fairem Preis! Gut schluck!

    • SteffenU schreibt:

      Hi Marco,
      jetzt muß ich hier nochmal antworten, den wie es der Zufall so will habe ich den Manna von Franz Haas schon mal getrunken und das ist wirklich ein Wow-Wein, was echt böse ist, denn ich hatte Franz Haas irgendwie unter Österreich in meinem Kopf verbucht…

  10. Stefan schreibt:

    Hallo Hendrik,
    wie meinst du deinen Kommentar, dass Sachsen unter den deutschen Weinen keine Rolle spielt? Beziehst du dich auf die produzierte Menge? An der Qualität kann es wohl kaum scheidern.
    Gruß Stefan

    • hendrikthoma schreibt:

      Hi Stefan, ganz klar in Bezug auf die Größe des kleinsten deutschen Anbaugebietes. Die Weine haben in den letzten Jahren enorm an Qualität gewonnen. Bin dabei.

  11. Gilli Vanilli schreibt:

    Südtirol is e schöne Ecke nicht nur für Wein – wir sind regelmäßig zum Winterurlaub da und waren jetzt auch endlich mal zu waermeren Zeiten da u.a. Südliche Weinstraße

    Ich mag die Weine – die roten sind oft leckere trinkfreudige Tischweine zum essen
    Die weißen frisch knackig schön kalt im Sommer genau das richtige

  12. Torsten Krueger schreibt:

    Hallo Hendrik,
    wir sind zur Zeit in Südtirol im Urlaub und haben uns daher sehr über das Thema gefreut. Folge geguckt und ins Auto zum Köferer- und Strasserhof. Bei beiden Winzern wurden wir sehr nett aufgenommen, sie freuten sich, dass aufgrund eines Internetbloggs Interesse an ihren Weinen geweckt wurde. Leider wurde uns auch von beiden gesagt, dass die Weine bereits ausverkauft sind. Doch nach etwas “Bücken” haben sich bei der Verkostung im Strasserhof doch noch 2 Flaschen Kerner für uns finden lassen.
    Der Wein hat neben der Restsüße eine gut eingebaute Säure, eine tolle Frische trotz seiner immerhin 14 % vol.
    Vielen Dank für den hervorragenden Tipp!

  13. Alex Barbera schreibt:

    So geil – kann schöne gammelige Weine machen… Kerner… Mehr auf den Punkt kann man es für die miese Variante nicht ausdrücken…

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