55. Folge – Heute in der Apotheke

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Riesling „Jungheld“
Weingut Claes Schmitt, Niko Schmitt, Mosel
10-20
2011 Riesling, Trittenheimer Apotheke „Jungheld“
Weingut Franz-Josef Eifel, Mosel
10-20

Vor ein paar Tagen war ich in Bernkastel an der Mosel und hatte ein kleines Zeitfenster. Ein kurzes Posting bei Facebook, in dem ich meine Bereitschaft signalisierte, mir ein paar Weinberge zu zeigen, führte innerhalb von 15 Minuten zu einer festen Verabredung. Eine Stunde später war ich bereits auf dem Weg nach Trittenheim, genauer gesagt in eine der steilsten Lagen der Mosel, die Trittenheimer Apotheke. Um ganz exakt zu sein, war ich in einer Parzelle mit alten Reben namens „Jungheld“.

Dort warteten bereits die beiden Winzer Niko Schmitt und Franz-Josef Eifel auf mich. Es war eine wunderbar spontane Begegnung mit zwei Toperzeugern dieses unter Kennern recht bekannten Weinbauortes an der oberen Mosel.

Das kurze Interview zeigt, mit welcher Leidenschaft diese Winzer arbeiten. Es ist Knochenarbeit, die extremen Schiefersteilhänge mit den wurzelechten Riesling-Rebstöcken zu bewirtschaften. Sie benötigen wesentlich mehr Arbeitsstunden als bei Flachlagen, von denen es auch an der Mosel noch mehr als genug gibt. Obwohl der Weinbau unter diesen schweren Bedingungen stattfindet, bleiben die Preise fair.

Das Paradoxe ist, dass die Weine nicht trocken sind und trotzdem gefühlt sehr harmonisch, ja fast trocken rüberkommen. Das liegt an ihrer ausprägten Mineralität und an der knackigen Rieslingsäure. Die Kunst der Vinifikation besteht vor allem darin, ein Gleichgewicht zwischen Süße und Säure zu schaffen. Wenn das gelingt, ist die Leichtigkeit und Finesse dieser Tropfen einzigartig.

Beide Weine haben mir sehr gut gefallen und sind in einer großartigen Fruchtphase dieses reifen Jahrgangs angekommen.

Sho em more Respekt!

Über hendrikthoma

Master Sommelier und Gastgeber bei Wein am Limit
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7 Antworten zu 55. Folge – Heute in der Apotheke

  1. Elmar schreibt:

    kein Soul-Faktor heute?

  2. Marco Rosso schreibt:

    Zum Wohl ! Die Mosel ! Bin ein großer Fan der Mosel-Weine weil mir die Paarung Fruchtsüsse,Säure und Schieferaromatik gut gefällt.

  3. decucinaria schreibt:

    hendrik ist ja auch noch ein junger held :-)

  4. Rainer schreibt:

    Eine ebenfalls dramatische Steillage bewirtschaftet Winzer Knebel den ich in folgender WaL-Folge kennen gelernt habe:

    http://weinamlimit.de/2012/08/10/43-folge-1-deutsche-lidda-weinverkostung/

    Das sieht bei ihm ja schon beinahe „exotisch“ aus wie sich da die Terrassen auftürmen:

    Sowohl den „Liddä“ als auch den Basisriesling habe ich nun probiert, beide Flaschen sind an 2 Tagen leer geworden – d.h. obwohl ich meinte das sei nicht so mein Fall hat er mir doch den hier oft beschworenen „Spaß im Glas“ gegeben.

    Das im aktuellen Beitrag gehörte Winzerargument, der Berg sei so steil da könne keine Maschine fahren habe ich nicht verstanden.
    Wie hier zu sehen geht das doch mit der sog. Monorackbahn:

    steilster Weinhang Europas zwischen Ediger-Eller und Bremm an der Mosel, der Calmont.

    Weingut Clemens Busch in Pünderich bewirtschaftet an der Mosel ebnenfalls Terassenweinberge, den zu probieren hab ich mir auch vorgenommen, das Paket ist allerdings noch immer nicht ausgepackt, irgendwas kam mir immer dazwischen. ;)

  5. Stefan schreibt:

    Eine wie ich finde besonders gelungene Folge, weil drei Sachen stimmen: Man sieht die Erzeuger, den Ort und den Wein und alles ist irgendwie stimmig. auch hier wäre eine Anregung auch einmal gereifte Weine zu präsentieren. Natürlich muss immer der aktuelle Jahrgang verkauft werden. Es wird dann aber immer gesagt, dass der Wein sich erst noch entwickeln muss. Gleichwohl sieht man zunehmend auch in der Gastronomie auch nur junge Weine und der Verbraucher verlernt wie gereifte Weine schmecken. Gerade bei sehr hochwertigen Weinen ist das irgendwie eine Abwärtsspirale, weil man auf schnelle Zugänglichkeit setzt. Natürlich ist es einfacher und vor allem kostengünstiger das so zu machen. Es geht aber viel an Kultur verloren und wer mal sehr harmonische alte Weine getrunken hat, sei es Rieslinge oder auch Bordeaux, Barolo oder weiße und rote Burgunder, den lässt das nicht mehr los.

  6. Barolista schreibt:

    Ach die Trittenheimer Apotheke – was für ein schöner Beitrag! Da hat man die Lage gleich mal live und in Farbe sehen können. Und Herrn Eifel auch, bisher kannte ich ja nur dessen Weine und die haben mich schon schwelgen lassen. Seitdem schlägt ein großer Teil meines Weinherzen für die Mosel-Rieslinge, Herrn Schmitt werde ich daher auch gleich in meine Probierliste aufnehmen. Danke, Herr Thoma – Filme mit Winzern mag ich auf diesem Portal am liebsten.

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